Die Filmanalyse
Kino anders gedacht: Der Titel und zugleich oberstes Prinzip der Filmanalyse. Wolfgang M. Schmitt jun. beleuchtet aktuelle Großproduktionen (und manchmal auch Klassiker) aus einer etwas anderen Perspektive. Jede Woche eine neue ideologiekritische Analyse!
Ep. 346: So grauenvoll ist DER PERFEKTE URLAUB – Kritik & Analyse
Sieben Jahre zogen ins Land, bis nach dem Erfolgsfilm „Das perfekte Geheimnis“ nun eine Fortsetzung unter dem Titel „Der perfekte Urlaub“ erscheint. Bora Dağtekin hat das debile Drehbuch geschrieben und auf dem Regiestuhl Platz genommen, um erneut Trostlosigkeit als Komödie zu inszenieren. Die Freunde verbringen dieses Mal einen Urlaub auf Mallorca, zunächst in einem Ferienhaus, bald in einem Club-Hotel am Ballermann. Wieder sollen ein paar irrelevante Geheimnisse ans Licht kommen. Und noch immer ist es eine Sensation, über die der Film noch weniger hinwegkommt als seine Figuren, dass die von Florian David Fitz gespielte Figur Pepe sein Coming...
DeepDive 13 (Teaser): Wir müssen über NAZA, THE ZONE OF INTEREST und SHOAH sprechen!
Über diesen Film spricht die Welt: „Naza“ ist ein nur 80 Minuten langer, dichter, intensiver Dokumentarfilm von Yuval Abraham und Rachel Szor. Ihnen gelang es, 24 Mitglieder des israelischen Militärs und Nachrichtendienstes zu interviewen, die am aktuellen verbrecherischen Krieg gegen Gaza beteiligt sind. Es sind erschreckende Äußerungen, die wir hören: „Wie in einem Videospiel“ verlaufe das Targeting, „Spaß“ habe es gemacht, und die Kollateralschäden hat man billigend in Kauf genommen, mehr noch: einige Interviewte lassen keinen Zweifel daran, dass es darum ging, viele zivile Opfer zu produzieren. Es geht jedoch um mehr als eine reine Dokumentation der Äußerungen, die gewäh...
Ep. 345: Ein Meisterwerk: PARASITE - Kritik & Analyse - Oscar-Preisträger
„Snowpiercer“ war sehr gut, #Oscar-Preisträger „Parasite“ ist noch besser! Bong Joon-ho liefert in seinem raffinierten Thriller, der zugleich Horrorfilm, Komödie und Drama ist, eine kluge Analyse der #Klassengesellschaft, in der wir heute leben. Eine arme Familie dringt in das Haus einer reichen Familie ein und beginnt für diese zu arbeiten. Aber wer sind hier die eigentlichen Parasiten? Die Gesellschaft der Reichen ist geprägt von Freundlichkeit und Gelassenheit – aber eben diesen #Habitus muss man sich erst einmal leisten können. Und er sollte uns nicht über das ökonomische Machtverhältnis hinwegtäuschen. Wir sehen in „Parasite“ weniger gute oder böse...
Ep. 344: Wenn Schund verfilmt wird: VERITY – Kritik & Analyse
Colleen Hoover ist eine der erfolgreichsten Autorinnen unserer Zeit. Über #BookTok gehen ihre Romane viral, eine Verfilmung jagt die nächste. „Verity“, die Adaption ihres gleichnamigen Romans, ist mit Dakota Johnson, Josh Hartnett und Anne Hathaway hochkarätig besetzt, zaubern können jedoch diese Schauspieler nicht, immer aber werten sie die dürren Dialoge des Romans auf. Das ist nicht die einzige Aufwertung. Regisseur Michael Showalter lässt sich von Brian de Palma und Paul Verhoeven inspirieren, manchmal kopiert er sie auch nur schamlos, um Stimmung zu evozieren, wo der Roman diese lediglich behauptet. Verfilmte Schundliteratur rettet häufig, was zu rett...
Ep. 343: Nein, nein, nein: TERMINATOR: DARK FATE - Kritik & Analyse
Die „Terminator“-Reihe endet mit einem Fiasko: Der sechste Teil von Tim Miller kann an die großen Filme von James Cameron nicht anknüpfen, ja, er bemüht sich nicht einmal. „Terminator: Dark Fate“ weiß zu brisanten Themen wie Künstliche Intelligenz, #Digitalisierung und #Transhumanismus nichts zu sagen, seine Bildsprache ist nicht der Rede wert, stattdessen muss Arnold Schwarzenegger als T-800 noch einmal ran, um einer hohlen Haudrauf-Logik zu folgen und um das #Blockbuster-Kino in einen Rummelplatz mit Preisboxern zu verwandeln. Irrelevanter könnte ein Film kaum sein, langweiliger auch nicht. Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!
Ep. 342: Unendlich dumm: THE SOCIAL RECKONING – Kritik & Analyse
Aaron Sorkin verfasste das großartige Drehbuch zu „The Social Network“ von David Fincher. Nun setzt er sich leider auch in den Regiestuhl und widmet sich erneut Mark Zuckerberg und dessen Meta-Konzern, der vor ein paar Jahren noch Facebook hieß. Nicht zuletzt die Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen haben dazu geführt, dass das Unternehmen unbenannt wurde. Haugen bildet eines der zwei Zentren in „The Social Reckoning“: Als Facebook-Mitarbeiterin kann sie nicht länger ertragen, wie der Konzern zwecks Profitoptimierung die gesellschaftlichen Nebeneffekte ignoriert und vertuscht. Haugen wendet sich an einen Investigativ-Journalisten des „Wall Street Journals“, um ihm interne Dokumente...
Ep. 341: Frauen- & schwulenfeindlich: DAS PERFEKTE GEHEIMNIS - Kritik & Analyse
Deutsche Komödien sind nicht nur dumm, unlustig und primitiv, sie verbreiten auch brandgefährliche Ideologien: Til Schweiger ist kein Einzelfall, auch sein Kollege Bora Dagtekin hat bereits mit seiner „Fack Ju Göhte“-Reihe die Zuschauer gelehrt, die Armen zu verachten. Integriert wird nur, wer sich dem Diktat der Mehrheit unterwirft. Dieses Motiv kehrt jetzt auch in Dagtekins neuer Komödie „Das perfekte Geheimnis“ wieder, doch dieser Film hat nun neue Opfer: Frauen und Schwule. Bereits Til Schweigers Film „Klassentreffen 1.0“ war schwulen- und frauenfeindlich, Dagtekins Machwerk knüpft daran an, obgleich er etwas subtiler vorgeht – und dadurch eigentlich nur noch perfider i...
Ep. 340: Wie schlimm ist DIGGER wirklich? Kritik & Analyse
Alejandro González Iñárritu nervt wieder: In seinem neuen Film „Digger“ verspricht er, dass wir Tom Cruise sehen, wie wir ihn noch nie auf der Leinwand erblickt haben. Es erweist sich jedoch nicht als ergiebig oder witzig, Tom Cruise in einen alten Mann zu verwandeln, denn die Titelrolle bleibt eindimensional. Mit den weiteren Figuren, die diese Farce besiedeln, ist es nicht besser. Offenbar soll dies ein politischer Film sein über das verantwortungslose Handeln von Politik und Wirtschaft angesichts des Klimawandels. Parallelen zur Wirklichkeit drängen sich so sehr auf, dass es ermüdet. Dekadenter Ölmagnat trifft auf egozentrischen US-Präsiden...
Q&A 11 (Teaser): Bundeswehr-Serie „Generation Wehrdienst“, CAMP MIASMA und STAATSSCHUTZ
Im elften Q&A der Filmanalyse+ gibt es drei ausführliche Schwerpunkte: Ich habe mir die auf YouTube veröffentlichte Bundeswehr-Serie „Generation Wehrdienst“ angesehen und bin entsetzt und überrascht. Zunächst ist auffallend, dass hier keinesfalls in heroischer Weise das Soldatenleben oder das Militär inszeniert werden, vielmehr erzählt die Doku vom Alltag der jungen Wehrdienstleistenden, der aus allerlei Schikanen besteht, um Disziplin zu lernen. Interessant sind dabei der Aussagen der jungen Frauen und Männer, die ganz und gar schon die Ideologie der Militarisierung im Inneren vollzogen haben. Die Serie versucht geschickt, die Orientierungslosigkeit junger Menschen auszunutzen – und in gewiss...
Ep. 339: Warum die Medienkritik in PRIMETIME blöde bleibt – Kritik & Analyse
Das Format „To Catch a Predator“ war ein besonders dunkles Kapitel des Reality-TVs. Der narzisstische Host Chris Hansen überführte vor laufender Kamera Täter, inszenierte sich als Messias der Wahrheitsfindung und Kämpfer gegen das Böse. Um die betroffenen Kinder ging es dabei allerhöchstens am Rande, vielmehr gehorchte man dem Gesetz der Quote, was bald belohnt wurde. Die Sendung wurde von MSNBC in die Primetime verlegt und lief in direkter Konkurrenz zu Erfolgsserien wie „Lost“. Lance Oppenheims Film „Primetime“ blickt nun hinter die Kulissen und lässt Robert Pattinson auf der gesamten Klaviatur seines Könnens spielen, um den egom...
DeepDive 12 (Teaser): DEUTSCHLAND. Ein Sommermärchen vom „guten“ Patriotismus im dt. Film
Was, wenn Til Schweiger gar nicht der schlimmste deutsche Regisseur ist, sondern Sönke Wortmann? Wie kein anderer Regisseur der Gegenwart hat er daran gearbeitet, Patriotismus und Nationalismus in den Köpfen der Zuschauer fest zu verankern. Es begann 2003 mit dem sentimentalen Film „Das Wunder von Bern“, der den WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft zu einer nationalen Erzählung stilisiert, um patriotische Gefühle zu wecken. Fortgesetzt wurde dieser Gefühlspatriotismus dann 2006 mit dem Dokumentarfilm „Deutschland. Ein Sommermärchen“, in dem die deutsche Nationalmannschaft während der WM beim Training und Spielen begleitet wird und zugleich der, wie es damals hieß, „unverkra...
Ep. 338: OK Boomer: THE IRISHMAN - Kritik & Analyse zum Epos von Scorsese
In den vergangenen Wochen hat Martin Scorsese in aller Deutlichkeit ausgeführt, wie man Filme nicht machen sollte: nämlich so wie Marvel. Jetzt zeigt er mit „The Irishman“, was er unter großem Kino versteht, wenngleich der Film von Netflix produziert wurde und deshalb nur einen eingeschränkten Start in den Kinos erhält, um Ende November auf #Netflix gezeigt zu werden. Um es gleich vorweg zu sagen: „The Irishman“ ist wohl Martin Scorseses letztes großes #Gangsterepos, vielleicht auch das letzte des Kinos überhaupt. 209 Minuten lässt sich dieser Film Zeit, nicht jedoch, um zu verklären oder zu beschönig...
Ep. 337: Camus als Cartoon: COYOTE VS ACME – Kritik & Analyse
Eigentlich sollte dieser Film bereits 2023 in die Kinos kommen, doch Warner entschied sich, den Film in den Archiven verschwinden zu lassen, um ihn steuerlich als Verlust abschreiben zu können. 70 Millionen Dollar Produktionskosten waren bereits aufgelaufen, zusätzlich hätte man viel Geld für Marketing ausgeben müssen. So schien es günstiger zu sein, eine Ware zu verschrotten als zu verkaufen. Nun über Umwege kommt Dave Greens „Coyote vs ACME“ doch in die Kinos und der Kontext seiner Produktion passt gut zum Inhalt: Denn der Film, der auf den 1949 erstmalig veröffentlichten Cartoons um den Road Runner und Wile E...
Ep. 336: Imperialismus, aber woke: DIE EISKOENIGIN 2 - Kritik & Analyse zum zweiten Teil von FROZEN
Sechs Jahre lang hat Disney sich mit der Fortsetzung von „Die Eiskönigin“ Zeit gelassen. Sagen wir es so: An der Arbeit an einer guten Geschichte kann es nicht gelegen haben, denn „Die Eiskönigin 2“ besteht vor allem aus Versatzstücken aus dem Märchenschatz des immer dominanter werdenden Konzerns, der sich seit einer Weile jedoch überaus "woke" gibt, um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können. Die #Kulturindustrie passte sich in der Vergangenheit immer wieder dem #Zeitgeist an, der Konzern mit dem Märchenschloss im Logo setzt bei seiner Streamingplattform Disneyplus sogar auf #Trigger-Warnungen vor Filmen wie „Dumbo“. Auch Elsa...
Ep. 335: Wie Robert Altman die Klassengesellschaft seziert
Robert Altman ist ein Virtuose der Vielstimmigkeit. Aus unglaublichen 44 Figuren, die alle Charakter und Geschichten erhalten, besteht „Gosford Park“. Der 2001 erschienene Film vereint Gesellschaftskomödie, Melodrama, Historienfilm und Krimi, im Mittelpunkt steht die Analyse der Klassengesellschaft, die im Jahr 1932 in England noch aristokratisch geprägt ist. Die Dienerschaft hat keinen Subjektstatus, während die Herrschaft nichts weiter tut, als laufend zu konsumieren und zu befehlen. Altman bringt aber die Verhältnisse in Bewegung, weil er diejenigen below und diejenigen above stairs gleichermaßen zeigt, wie sie ein gemeinsames Wochenende auf einem Landsitz verbringen und dabei die Diener mehr und mehr zur...
Ep. 334: Kursschwankungen: HUSTLERS - Kritik & Analyse
Jennifer Lopez wird häufig unterschätzt, das liegt nicht zuletzt daran, dass sie in vielen schwachen Filmen mitgespielt und häufig mit recht unfähigen Regisseuren zusammenarbeiten musste. „Hustlers“ aber zeigt, was J.Lo kann. Regisseurin Lorene Scarfaria inszeniert die 50-jährige als verführerische Femme fatale und clevere Geschäftsfrau, die die Mentalität der Wall Street auf den Mikrokosmos eines Stripclubs überträgt: „Wir müssen so denken wie die Wall-Street-Typen“, rät Ramona (Lopez) ihren Kolleginnen, als es 2007/2008 zur Finanzkrise kommt und das #Geld bei den Herren, die sich im Club allabendlich amüsieren, nicht mehr so locker sitzt...
Ep. 333: Ist Ridley Scott durch? DAS ENDE DER STERNE – Kritik & Analyse
Der 88-jährige Ridley Scott widmet sich mit „Das Ende der Sterne“ („The Dog Stars“) einem seit Jahren beliebten Genre: Der Post-Apokalypse-Film handelt von zusammengebrochenen Zivilisationen, in denen sich einzelne Überlebende – in der Regel schwer bewaffnet – ihren Weg durch die Ödnis bahnen, um dort auf andere zu treffen, die entweder freundlich oder feindlich gesinnt sind. Margaret Qualley, Jacob Elordi, Josh Brolin und Guy Pearce irren in „Das Ende der Sterne“ durch die Gegend und schießen sich Wege frei, weil überall Angreifer lauern, von denen man jedoch nie etwa über nähere Motive erfährt. Auch die anderen Figuren sind eher wortkarg, das...
Ep. 332: Scorsese vs Marvel - Teil 2 - Ein Filmanalyse-Spezial
Von individuellen Freiheiten und Selbstbehauptungen erzählt Hollywood immer seltener. Das bürgerliche Subjekt spielt in den Marvel-Filmen keine bedeutende Rolle. Auch das kritisiert Martin Scorsese. Doch womit hängt diese Entwicklung zusammen? Längst werden in #Hollywood nicht mehr Filme primär für den Westen produziert, der Filmmarkt ist nur ein völlig globaler – vor allem in China und Indien, wo autoritäre Politiker sich als #Superhelden und Retter gerieren, sollen die Blockbuster funktionieren. Wo aber das Individuum immer weniger Raum bekommt, hat es hinter der Kamera auch der individuelle #Künstler schwer. Immer, schreibt Scorsese, gab es eine Spa...
Ep. 331: Das blödeste Drehbuch des Jahres: ONE NIGHT ONLY – Kritik & Analyse
Der Regisseur Will Gluck („Einfach zu haben“) hat gemeinsam mit Travis Braun das dümmste Drehbuch des Jahres geschrieben. „One Night Only“ spielt in einer nahen dystopischen Zukunft, der die RomCom mit Humor begegnen will. Das Szenario erinnert an „The Purge“: In einer einzigen Nacht im Jahr darf man seinen Trieben freien Lauf lassen, doch geht es dieses Mal nicht um Gewaltorgien, sondern um den Beischlaf unter Unverheirateten. Dieser wurde von der autoritären US-Regierung untersagt, Ziel ist es, die Ehe als Leitbild zu stärken und Schwangerschaften in der Jugend zu verhindern. Die repressive Ordnung wird von den New Yorkern kau...
DeepDive 11 Teaser: BARRY LYNDON – Stanley Kubricks schönster Film
1975 erscheint der bis heute ungewöhnlichste und schönste Historien- und Kostümfilm in den Kinos: Stanley Kubrick gelingt mit BARRY LYNDON eine freie Literaturadaption, die bis heute irritiert. Ryan O’Neal spielt die Titelfigur, die nicht leicht zu greifen ist, wie der gesamte Film sich direkten Zugängen entzieht. Ein Held, der keiner ist und der sich nur manchmal sympathisch verhält, artifizielle Dialoge, getragene Musik, eine Kamera, die die meiste Zeit auf dem Stativ verbleibt – diese Charakteristika bestimmen den Film und sie machen ihn auf den ersten Blick schwer zugänglich. Jedoch lohnt es sich, genauer hinzusehen und die Äs...
Ep. 330: Scorsese vs Marvel - Teil 1 - Ein Analyse-Spezial
Ein alter Rebell rebelliert erneut: Martin Scorsese rechnete nicht nur in einem Interview mit den Marvel-Filmen ab, auch in einem ausführlichen Artikel in der „New York Times“ erklärt er seinen Angriff auf die das #Kino dominierenden #Blockbuster unserer Zeit. Auch sein Kollege Francis Ford Coppola, der ebenso wie Scorsese ein Kind von New Hollywood ist, hat die Marvel-Produktionen harsch kritisiert. Wie ist die #Kritik der Regielegenden einzuordnen? Hier geht es um mehr als nur Geschmacksfragen, vielmehr zeichnet sich gerade das Ende des Hollywoodkinos ab, genau dagegen schreibt Martin Scorsese an. Denn es gab ein Kernthema, das sowohl die Fi...
Ep. 329: Ein filmisches Wunder: VATERLAND – Kritik & Analyse
Was kann man in 82 Minuten erzählen? Fast alles, zeigt uns Regisseur Paweł Pawlikowski mit seinem Schwarz/Weiß-Film „Vaterland“, in dem Hanns Zischler als Thomas Mann und Sandra Hüller als dessen Tochter Erika Mann zu erleben sind. Dieser herausragende Film erzählt in fiktionalisierter Form und Verdichtung von dem Literaturnobelpreisträger, der 1949 nach Deutschland reist, um zunächst in Frankfurt am Main und dann in Weimar einen Goethe-Preis entgegenzunehmen und in seinen Dankesreden ein anderes Deutschland heraufzubeschwören, das nicht todestrunken ist. Seine Tochter Erika, die in Wahrheit diese Reise nicht begleitete, unterstützt ihren Vater, gerät aber bald an...
Q&A 10 (Teaser): ODYSSEE: Nolan im Interview, Serie THE SHARDS (Bret Easton Ellis), Klassenkampf: COLUMBO
Im neuen Q&A beschäftigen wir uns noch einmal ausführlich mit der ODYSSEE von Christopher Nolan. Ein Hörer hat eine interessante Frage parat, danach geht es um das viral gegangene Interview, das die chinesische Podcasterin Zhong Shu mit Christopher Nolan geführt hat. Hat er Homers Erzählung christianisiert? Wofür stehen die Götter? Welche Konventionen des Erzählens gibt es? Anschließend geht es um die Disneyplus-Serie THE SHARDS, eine Verfilmung des großartigen gleichnamigen Romans von Bret Easton Ellis. Dieses Projekt, so viel lässt sich bereits nach vier Folgen sagen, ist komplett gescheitert...
Ep. 328: Nietzsche! STAR WARS 9: DER AUFSTIEG SKYWALKERS - Kritik & Analyse
Die „Star Wars“-Saga hat ein Ende, zumindest ein vorläufiges. Denn #Disney plant bereits weitere Filme, doch mit „Star Wars: Der Aufstieg der Skywalkers“ endet nun die neue Trilogie. Noch einmal hat J. J. Abrams die Regie übernommen, wenngleich von seiner eigenen Handschrift, die er in „Das Erwachen der Macht“ zeigte, jetzt nur noch wenig zu sehen ist. Teil 9 wirkt wie ein Best-of der Reihe, doch das macht #TheRiseOfSkywalker nicht zu einem guten Film. Vieles ist beliebig, wagemutig ist wenig. Faszinierend aber sind die düsteren Szenen mit dem #Imperator, bei denen wir uns einmal mehr fragen, was ist es eigentli...
Ep. 327: Das reicht nicht: THE END OF OAK STREET – Kritik & Analyse
Der Regisseur von „Under the Silver Lake“ und „It Follows“ ist zurück und hat Dinosaurier mitgebracht: David Robert Mitchell erzählt in „The End of Oak Street“ von einer amerikanischen Vorstadtfamilie, deren scheinbar gewöhnlicher Alltag durch ein unerklärliches kosmisches Ereignis zerstört wird. Die Oak Street wird aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen und in eine prähistorisch anmutende Welt versetzt. Plötzlich leben die Bewohner zwischen gefräßigen Dinosauriern. Ein Kampf ums Überleben beginnt. Anne Hathaway und Ewan McGregor spielen ein Ehepaar, das sich zusammenraufen muss, um sich und die Kinder zu retten. Steven Spielberg und Brian De Palma stehen...
Ep. 326: Feminismus? CAPTAIN MARVEL - Kritik & Analyse
Das Marvel-Universum ist wieder um einen Film gewachsen: Geld für gute Drehbuchautoren hat man sich auch diesmal gespart, aber sei's drum! Mit "Captain Marvel" gibt es nun auch die von vielen Fans lang ersehnte Superheldin als Protagonistin. Doch ist durch eine weibliche Hauptfigur "Captain Marvel" gleich ein feministischer Film? Und welchen Stellenwert haben eigentlich in solchen Blockbustern noch Schauspieler, wenn sie wie hier Samuel L. Jackson digital um 20 Jahre verjüngt werden? Mehr dazu von Wolfgang M. Schmitt im Podcast!Literatur:Nick Bostrom: Superintelligenz. Szenarien einer kommenden Revolution. Suhrkamp.
Den zweistündigen DeepDive zu David Lynch gibt es...
Ep. 325: Ein zeitgenössisches Meisterwerk: EVERYTIME – Kritik & Analyse
Dieser Film wird bleiben: „Everytime“ von Sandra Wollner erzählt eine Geschichte, die man zwar in Worten wiedergeben kann, womit man aber das Eigentliche verfehlt. Ein Mädchen stirbt, zurück bleiben Mutter, Schwester und Freund. Der Kameramann von „Aftersun“ bricht mit der Regisseurin in neue Bildwelten auf und irritiert unser Verhältnis zur Welt nachhaltig. Das herausragende Schauspielerensemble, bestehend aus Birgit Minichmayr, Tristán López, Carla Hüttermann und Lotte Shirin Keiling, wird eingefasst von Bildern, die zwischen Realismus und Surrealismus changieren, die Computerspiellandschaften und echte Gesteinsblöcke, Smartphone-Bilder und Projektionen eines trauenden Bewusstseins verbinden. Jedes Mal, jeder Zeit, jede...
Ep. 324: Pure Ideologie: DER HERR DER RINGE - Kritik & Analyse
„Star Wars“, „Indiana Jones“, „Harry Potter“ – die Populärkultur liebt das Mythische, es ist daher kein Wunder, dass Peter Jacksons dreiteilige Verfilmung von „Der Herr der Ringe“ ebenso opulent wie erfolgreich war. #Tolkien schuf aus den Versatzstücken aus nordischen Sagen ein eigenes #Fantasy-Universum, das zum einen heidnisch anmutet, zum anderen jedoch stark vom Katholizismus des Autors geprägt ist. Diese Welt ist eingeteilt in Gut und Böse – Sauron ist der dunkle Herrscher, der nach der Macht strebt und mit dem Ring alle unterjochen will. Der #Hobbit Frodo Beutlin und die Seinen versuchen dies zu verhindern und begeben sich auf eine lange, abe...
Ep. 323: Nicht auszuhalten! SPIDER-MAN: BRAND NEW DAY – Kritik & Analyse
Zweieinhalb Stunden quält uns Regisseur Destin Daniel Cretton mit „Spider-Man: Brand New Day“: Tom Holland spielt erneut Peter Parker, der ein Doppelleben als Spider-Man führt. Jedoch kann sich in seinem Freundeskreis niemand mehr an die Existenz von Peter Parker erinnern. MJ und seine Freunde haben ihn vergessen, unklar ist, ob er in ihnen wieder die Erinnerung wecken kann. Das Leben schwer macht ihm jedoch Jean Grey, die mit ihren telepathischen Kräften sein Umfeld manipulieren kann. Außerdem ist seine Work-Life-Balance durcheinandergeraten, schlüpft er doch die meiste Zeit in die Rolle von Spider-Man und nimmt sich nicht gen...
DeepDive 10 (Teaser): David Lynchs ERASERHEAD, MULHOLLAND DRIVE und LOST HIGHWAY
David Lynch ist einer der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte. Er schuf neue Bildwelten aus roten Vorhängen, nachtschwarzen Wohnzimmerecken, eigenartigen Lichtquellen, unheimlichen Fluren, Stimmen, die sich vom Körper lösen, und durch Soundkulissen, die ständiges Unbehagen auslösen. Die Räume, durch die wir schreiten, sind Reisen ins labyrinthisch aufgebaute Bewusstsein. Wer es sich zur Aufgabe macht, die David-Lynch-Filme zu ordnen, Stringenz und Linearität herstellen will, wird bald auf nicht lösbare Paradoxien treffen. David Lynch entzieht sich damit einer auf den Plot ausgerichteten Interpretation, was jedoch die Filme nicht beliebig werden lässt. Auffallend ist die Wiede...
Ep. 322: DER SCHACHT: Wo der Film richtig und wo er falsch liegt - Kritik & Analyse
Als die Kinos geschlossen waren, diskutierte man über diesen Netflix-Film: „Der Schacht“ reihte sich ein in eine Vielzahl von Filmen, die den Kapitalismus beim Wort nehmen. Wie in „Snowpiercer“ und „Parasite“ soll auch hier ein Machtsystem exemplarisch, reduziert auf das Notwendigste illustriert werden. Eingenommen wir ein wirklich globaler Blick auf die Welt, auch wenn alles nur in einem Turm spielt. Die Höhe von Bong Joon-ho erreicht Regisseur Galder Gaztelu-Urrutia allerdings nicht, wenngleich der Film sehenswert ist und sich von vielen #Streaming-Angeboten positiv abhebt. Doch der englische Titel „The Platform“ legt einen blinden Fleck des Films bloß: In „Der Schacht“ ist das Esse...
Ep. 321: Dieser Film wird (leider) übersehen
Jessica Chastain spielt eine reiche US-Amerikanerin, die sich alles leisten kann. Zu arbeiten braucht sie nicht, das Familienerbe wirft genug ab, um sich nur um die Familienstiftung kümmern zu können, die zugleich ordentliche Steuererleichterungen bietet. Auch die Liebe zu einem mexikanischen Balletttänzer, der aufsteigen und in San Francisco Karriere machen will, kann sie sich leisten. Solange die Öffentlichkeit davon keinen Wind bekommt. Isaac Hernández, ein Star des Balletts, übernimmt die Rolle des Aufsteigers und Verführers. Diese ungleiche Beziehung ist nicht als Dark Romance angelegt, sondern „Dreams: Gefährliches Verlangen“ lotet intelligent Klassenfragen aus und zeigt, wie m...
Q&A 9 (Teaser): Uwe Bolls CITIZEN VIGILANTE, Opernfilme, JACKASS, SUPERGIRL
Verboten ist Uwe Bolls „Citizen Vigilante“ nicht, auch wenn dies gerade gern kolportiert wird. Der Rache-Thriller mit Armie Hammer in der Hauptrolle hat jedoch keine FSK-Freigabe erhalten, wodurch der Film öffentlich nicht beworben oder angepriesen darf, auch sind die Vertriebswege eingeschränkt. Was aber erzählt dieser Film? Und wie konnte die FSK zu einer solchen Entscheidung kommen? Der Protagonist greift zur Selbstjustiz und der Film verhält sich dazu affirmativ, mehr noch: die Gewalt richtet sich auch gegen den Staat selbst. Der migrationsfeindliche Film kann als der erste AfD-Film beschrieben werden, denn nicht nur Migration, sondern auch das Eigentum...
Ep. 320: Der "verbotene" Disney-Film: SONG OF THE SOUTH - Kritik & Analyse
Wenn jetzt überall in der Welt das Streamingportal #Disneyplus verfügbar ist, werden dort alle Klassiker des Studios, die man bereits den Konkurrenzplattformen entzogen hat, zu sehen sein. Ein Film, so zeigt sich jetzt bereits in den USA, wird aber fehlen: "Song Of The South" (#OnkelRemusWunderland). Der Film erschien 1946, Zeichentrickfiguren treffen darin auf Schauspieler, die technischen Innovationen sind enorm - und für das heute immer noch bekannte Lied "Zip-a-Dee-Doo-Dah" gab es einen Oscar, auch der schwarze Hauptdarsteller James Baskett wurde mit einem Academy-Award ausgezeichnet. Heute geht der Disney-Konzern zu diesem Film, der auf einer Plantage im 19. Jahrhundert in Geo...
Ep. 319: Wie ist DIE ODYSSEE von Christopher Nolan zu deuten? – Kritik & Analyse
Matt Damon, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Zendaya, Tom Holland und viele weitere Stars schlüpfen in antike Gewänder, um in Christopher Nolans Verfilmung von Homers „Odyssee“ mitzuspielen. Knapp drei Stunden dauert „Die Odyssee“, mit der Nolan sein filmisches Erzählen mit einem der wichtigsten Ursprungstexte der Weltliteratur verbindet. Odysseus, gespielt von Matt Damon, soll nach dem Trojanischen Krieg heimkehren, um die Freier an seinem Hof, die seine Frau Penelope bedrängen, zu bekämpfen. Dieser große Bogen ist durchsetzt mit Binnenerzählungen, Erinnerungen und Irrfahrten. Nolan zeigt keinen Helden, sondern einen Mann, der mit seinen Taten hadert und selbst kaum...
Ep: 318: Wie eine Bahnfahrt: DER HOBBIT - Kritik & Analyse
Selbst viele „Herr der Ringe“-Fans sind mit „Der Hobbit“ nicht besonders glücklich. #PeterJackson hat den gerade einmal 300 Seiten umfassenden Roman „Der kleine Hobbit“ von #Tolkien auf acht Stunden gestreckt und damit zwar dem Werk keinen Gefallen getan, sondern lediglich Profitinteressen verfolgt. Um die Schwachstellen der Handlung zu kompensieren, hat man beim Marketing vor allem auf die neue Technik gesetzt: statt 24 nun 48 Frames. Doch ist die Trilogie nur das das Vorspiel zu „Der Herr der Ringe“? Keineswegs, der Film beinhaltet einen ganz anderen ideologischen Kern, dieser ist in der der Erzählweise zu finden. Das #Fantasy-Genre verspricht einen Ausweg aus der Rea...
Ep. 317: Disney ist tot! VAIANA – Kritik & Analyse
Zehn Jahre ist es her, dass der Animationsfilm „Vaiana“ („Moana“) in die Kinos kam. Die Titelfigur will sich nicht der väterlichen Ordnung fügen, will nicht auf der Insel bleiben, sondern in See stechen, um auf diese Weise auch die Natur und ihr Volk, deren Herrscherin sie einmal sein wird, wiederzubeleben. Disney variiert einmal mehr die Heldenreise. Nun ist die Realverfilmung in den Kinos gestartet, in den Hauptrollen zeigen sich Dwayne Johnson und Catherine Laga’aia. Das ist aber auch fast der einzige Realitätsbezug, den es gibt. Ja, die Schauspieler existieren wirklich. Die anderen Bildwelten aber sind keineswegs re...
Ep. 316: Zeigen oder zensieren? VOM WINDE VERWEHT - Kritik & Analyse
Der US-Sender #HBO hat den Klassiker „Vom Winde verweht“ (#GoneWithTheWind) vorerst von seiner Streamingplattform gelöscht. Er soll irgendwann später wieder veröffentlich werden, dann jedoch neu kuratiert, kommentiert und möglicherweise mit Triggerwarnungen versehen. Vorausgegangen war diesem Vorgang der Protest eines berühmten HBO-Abonnenten: John Ridley, der unter anderem das mit einem #Oscar ausgezeichnete Drehbuch zu „12 Years a Slave“ schrieb, hatte in einem Artikel in der „Los Angeles Times“ gefordert, dass HBO das von David O. Selznick prodozierte Melodram nicht wie jeden anderen Film behandeln dürfe, da die Darstellung von Schwarzen massiv diskriminierend sei und überdies die Sklaverei in de...
Ep. 315: Über den Militarismus der MINIONS
In „Minions and Monsters“ kehren die kleinen gelben Männlein zurück auf die Leinwand, um eine alternative Geschichte von Hollywood zu erzählen. Was bislang niemand wusste: Die Minions waren früher in der Traumfabrik als Schauspieler und Regisseure tätig. Diese an sich harmlose Geschichte erzählt der neue Film, jedoch hat die Sache einen Haken. Nach etwa 50 Minuten wird aus Spaß plötzlich Ernst. Ein Feindbild muss her, dieses kreiert man mit dem Monster Irene. Jetzt muss dieses bekämpft werden – auch Roboter Dort (gesprochen von Bill Kaulitz) und angelehnt an den Roboter GoRT aus „Der Tag, an dem die E...
Ep. 314: Über die Liebe: DIE BRÜCKEN AM FLUSS und BEGEGNUNG - Kritik & Analyse
Zwei große Liebesgeschichten, die uns viel über das Wesen der Liebe und das Begehren erzählen: „Begegnung“ („Brief Encounters“) von David Lean und „Die Brücken am Fluss“ („The Bridges of Madison County“) von Clint #Eastwood sind nicht nur phantastische Filme, sie sind auch ideal miteinander vergleichbar, da sie beide von Liebesaffären handeln, die enden müssen. Rückblickend berichten die beiden Filme von der ganz großen Liebe: In David Leans #Melodrama von 1945 treffen sich Celia Johnson und Trevor Howard heimlich einmal in der Woche in der Stadt, obwohl beide verheiratet sind. In dem #Liebesfilm von 1995 sind es Meryl Streep und...