Zeitreise. Der Podcast
Geschichte, die vermeintlich jenseits des Spektakulären liegt. Drei Historikerinnen reisen durchs 20. Jahrhundert und blicken insbesondere auf Unerzähltes und Stimmen, die sonst oft überhört werden. Gerade in diesen Geschichten steckt das Potenzial, unser Verständnis der Gegenwart zu verändern und neue Sichtweisen zu eröffnen.
Haiti: Der hohe Preis der Freiheit
Haiti befreite sich selbst aus der Sklaverei – und wurde dafür bestraft.
1804 entstand aus einem erfolgreichen Aufstand versklavter Menschen der erste unabhängige Schwarze Staat der Welt. Für die damaligen Kolonialmächte war das nicht nur eine Sensation. Frankreich zwang Haiti zu Entschädigungszahlungen an ehemalige Sklav:innenhalter, andere Staaten isolierten das Land – und 1915 marschierten die USA ein.
Doch Haitis Geschichte handelt nicht nur von Unterdrückung. Sie erzählt auch von Menschen, die ihre Arbeit und ihr Land selbst kontrollieren wollten, eigene Gemeinschaften aufbauten und sich hartnäckig gegen neue Formen der Ausbeutung wehrten.
...d'Mission & Dekolonisation: Glauben, Entwicklung, Widersprüche
Was geschieht, wenn eine Schweizer Missionsgesellschaft, die Glauben und Entwicklung verbreiten will, mitten in das gewaltsame Ende einer Kolonialherrschaft gerät?
In dieser Folge rückt eine vertraute Stimme unseres Podcasts in den Mittelpunkt: Wir sprechen mit Barbara Miller über ihr neu erschienenes Buch «Entwicklung glauben. Katholische Mission in der Schweiz und Simbabwes Dekolonisation».
Im Zentrum steht die katholische Missionsgesellschaft Bethlehem Immensee. Seit 1938 waren ihre Missionare im damaligen Südrhodesien tätig. Sie bauten Kirchen, Schulen und Spitäler auf, leiteten Missionsstationen und prägten über ihre Kampagnen zugleich das Bild Afrikas in der katholischen Schweiz.<...
d'Verhüetig: Freiheit mit Nebenwirkungen
Verhütung bedeutet Freiheit und Selbstbestimmung– doch ihre Geschichte erzählt auch von Kontrolle, riskanten Experimenten und politischen Interessen.
In dieser Folge von «Zeitreise» begegnen wir Krokodilskot, wiederverwendbaren Kondomen aus Schafdärmen und geheim weitergegebenen Rezepten. Wir verfolgen den Weg zur Pille, sprechen über unethische Versuche an Frauen in Puerto Rico und über eine Spirale mit verheerenden Folgen.
Auch die Schweiz kommt nicht gut davon: Beratungsstellen wurden bekämpft, Vorträge verboten und verlässliches Wissen durch eine strenge Sexualmoral eingeschränkt.
Was als medizinischer Fortschritt gefeiert wurde, war eng mit wirtschaftlichen Interessen, kolonialen Ma...
d'Stolpersteine: Erinnern an NS-Opfer und Schweizer Verantwortung
Was darf nicht vergessen gehen?
Stolpersteine bringen die Erinnerung an Menschen, die vom NS-Regime verfolgt und ermordet wurden, mitten in den Alltag zurück – an jene Orte, an denen sie einst lebten. Seit einigen Jahren werden solche Steine auch in der Schweiz verlegt.
In dieser Folge erzählen wir die Geschichten von Menschen aus der Schweiz und von Menschen, deren Schicksal eng mit ihr verbunden war. Dabei geht es auch um die Verantwortung Schweizer Behörden: Schutzsuchende wurden an der Grenze abgewiesen, Menschen ausgeschafft oder ihnen wurde die Rückkehr verweigert. Eine Heirat, Armut, eine Behind...
d'Mieti: Grundbedürfnis und Geschäft
Über 60 Prozent der Menschen in der Schweiz wohnen zur Miete. Monat für Monat fliesst ein beträchtlicher Teil unseres Einkommens in die Wohnung – doch wie wurde das Wohnen überhaupt zur Ware?
Unsere Zeitreise beginnt mit der Industrialisierung, als Tausende Menschen in die Städte zogen und bezahlbarer Wohnraum fehlte. Familien lebten in dunklen, überfüllten Wohnungen, private Betten wurden stundenweise an sogenannte Schlafgänger vermietet und selbst dieser prekäre Wohnraum war teilweise erstaunlich teuer.
Wir fragen, wie die prekäre Wohnsituation zum politischen Konflikt wurde und welche Antworten darauf entstanden: staatliche Mietpreiskontrollen, kommunaler Wohnungsbau...
dr Rave: Wie aus Beats eine Bewegung wurde
In dieser Folge von „Zeitreise“ schauen wir auf die Geschichte des Rave – und darauf, warum sie von weit mehr handelt als von Bass, Tanz und langen Nächten. Es geht um leer stehende Industriegebäude, neue Freiräume, gesellschaftliche Ausgrenzung, politische Konflikte und die Frage, wem die Stadt eigentlich gehört.
Unsere Reise beginnt bei Schwarzen und queeren Clubkulturen in Detroit, Chicago und New York. Von dort folgen wir den Spuren des Rave nach Großbritannien und weiter nach Berlin und Zürich. Wie wurde aus einer Subkultur ein weltweites Phänomen? Welche Freiheiten entstanden auf den Dancefloors –...
ds Aromat: Mehr als nur ein Gewürz
Aromat gilt als fast schon selbstverständlicher Teil der Schweizer Alltagsküche. Was heute nach Kindheit, Kantine oder Frühstücksei schmeckt, begann als Antwort der Lebensmittelindustrie auf eine Gesellschaft im Umbau: Kochen sollte schneller, Vorratshaltung einfacher und Hausarbeit effizienter werden. Die Streuwürze führt uns mitten in eine Lebensmittelrevolution. Vorangetrieben wurde sie nicht nur in Fabriken und Küchen, sondern auch durch Inserate, Rezeptbroschüren und Kochvorführungen – dort, wo neue Bedürfnisse, Kochgewohnheiten und Vorstellungen vom modernen Leben geschaffen wurden.
Wir verfolgen die Geschichte des Produkts bis zur Entdeckung von Umami in Japan und fragen, wesh...
d'Summerferie: Erfindung der Erholung
Sommerferien: Sonne, Baden, Reisen, Erholung. Klingt selbstverständlich – ist es aber nicht.
In dieser Folge zeigen wir, wie Erholung erst erfunden, wissenschaftlich begründet und politisch legitimiert werden musste. Wir sprechen über Arbeitskämpfe und Menschenrechte, über Kurorte und Massentourismus, über Hotelplan, Nationalsozialismus und die DDR – und darüber, weshalb Staaten und Unternehmen ein grosses Interesse daran entwickelten, wie Menschen ihre freie Zeit verbringen.
Eine Folge über die politische Geschichte der Sommerferien – und darüber, warum hinter den schönsten Wochen des Jahres weit mehr steckt als Sonne, Strand und Dolce Vita.
Die erwähnte Quelle...
Reitsport: Einst Männersache, heute Mädchentraum
Heute gilt Reiten oft als typischer Frauensport. Doch der Weg dorthin war alles andere als selbstverständlich. Denn lange war Reiten ein Männerprivileg. Und Frauen mussten auf dem Rücken der Pferdes viele Hürden überwinden, um an Turnieren mitstreiten zu können.
Gemeinsam mit der Historikerin Noemi Steuerwald sprechen wir über die Geschichte des Reitsports und darüber, wie eng Pferde, Geschlechterrollen, körperliche Betätigung und gesellschaftliche Machtvorstellungen miteinander verbunden waren. Warum ritten Frauen jahrhundertelang im Damensattel? Weshalb wurde über Reithosen so heftig gestritten? Und was haben medizinische Debatten, Vorstellungen von Weiblichkeit und sportliche Regeln mitei...
Haiti: Folgenschwere Revolution
In dieser ersten Fernzeitreise reisen wir in die Karibik und beschäftigen uns mit einem Ereignis, das die moderne Welt nachhaltig verändert hat: der Haitianischen Revolution von 1791 bis 1804.
Dabei geht es nicht nur um Haiti. Die Geschichte der Revolution zeigt, wie eng Europa mit anderen Weltteilen verflochten war – und bis heute ist. Sie wirft Fragen auf, die weit über die Karibik hinausreichen: Woher stammen unsere Vorstellungen von Freiheit, Gleichheit und Menschenrechten? Wer wird in unseren Geschichtserzählungen sichtbar – und wer nicht?
Gemeinsam verfolgen wir die Entstehung der französischen Kolonie Saint-Domingue, den Aufstand...
d'Brust: Geschichte einer Doppelmoral
Die Brust ist überall: in Museen, auf Werbeplakaten, in Gerichtssälen und in politischen Debatten. Und doch ist sie bis heute Gegenstand von Tabus, Skandalen und hitzigen Diskussionen.
Warum eigentlich?
Warum wurde die Brust einmal als heilig verehrt, dann als Zeichen von Anstand kontrolliert und später als Symbol sexueller Freiheit vermarktet? Weshalb konnten Männer ihre nackten Oberkörper erst in den 1930er Jahren durchsetzen, während die weibliche Brust bis heute Gegenstand von Verboten, Protesten und Gerichtsverfahren sind?
In dieser Folge reisen wir von mittelalterlichen Madonnenbildern zu Hollywood-Stars, von kolonialen Machtverhältnisse...
d'Bevölkerig: Zu viele, zu wenige, die falschen?
Ausgehend von der aktuellen Schweizer Debatte um eine Bevölkerungsbegrenzung fragen wir in dieser Folge, wie Menschen historisch zu einer zählbaren, vergleichbaren und politisch steuerbaren Grösse wurden. Denn Bevölkerung war und ist immer mehr als eine Zahl. Sie beinhaltet auch Vorstellungen davon, wer dazugehört, wer als nützlich gilt und wer als Problem markiert wird.
Unsere «Zeitreise» führt zu ersten Kirchenbuch-Auswertungen und zu Malthus mit seiner Angst vor Überbevölkerung. Wir sprechen über Auswanderungen in vermeintlich «leere» Kolonien und von Abwehrbewegungen gegen Migration nach Europa, über Sozialdarwinismus und Eugenik und welche Rolle ökologische Überle...
Sci-Fi Hörspiele: Zukunft aus dem Radio
Roboterstimmen, Raketenlärm und Zukunft aus dem Lautsprecher: In dieser Folge tauchen wir in die Science-Fiction-Hörspiele des Deutschschweizer Radios der 1950er bis 1980er Jahre ein. Lange bevor Videocalls, künstliche Intelligenz oder Space Travel Realität wurden, entstanden futuristische Klangwelten – nur mit Stimmen, Geräuschen und Fantasie.
Gemeinsam mit dem Historiker Felix Wirth sprechen wir darüber, wie Zukunft während des Kalten Krieges akustisch erfunden wurde – und warum diese Hörspiele oft mehr über die Ängste, Hoffnungen und Fantasien ihrer Gegenwart erzählen als über das Morgen selbst.
Zum Buch von Felix Wirth: https://www.tran...
d'Helvetia: Die Frau, die eine Nation sein soll
Die Frauenfigur auf den Schweizer Münzen – wer oder was ist sie eigentlich?
In der neuen Folge von «Zeitreise» fragen wir nach: Wann und warum entstand die Helvetia, wie fand sie ihren Weg auf Münzen, Marken und in die Köpfe der Schweizer:innen? Was hat sie mit ihren «Schwestern» in anderen Ländern gemeinsam, zum Beispiel mit der deutschen Germania und der französischen Marianne? Und warum sind das immer Frauenfiguren, welche die Nation symbolisieren sollen?
Eine «Zeitreise», in der wir zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich hin und her pendeln – von Münzen zu Monumenten...
ds Zmorge: Vom Geschmack der Globalisierung
Eine Zeitreise vom Mittelalter zum Müesli
Wir reisen entlang den Spuren einer Mahlzeit und zeigen auf, warum sich ein genauerer Blick auf das Frühstück lohnt. Denn Kaffee, Tee, Kakao, Zucker, Cornflakes oder Ovomaltine erzählen nicht nur Konsumgeschichte – sie verweisen auf Plantagenwirtschaft, koloniale Gewalt, Industrialisierung, Ernährungspolitik, Körperbilder und die Macht der Werbung.
Warum galt Frühstück der Kirche zeitweise als moralisch fragwürdig?
Wie wurde Kaffee vom kolonialen Genuss- und Heilmittel zum Treibstoff der Arbeitsgesellschaft?
Welche Rolle spielten Werbung und Wissenschaft bei der Erfindung des „gesunden Starts in den Tag“?
d'Mission & Hygiene: Sauberkeit, Seelenheil, Macht
Was wir heute als „Hygiene“ verstehen, hat eine Geschichte – und die führt mitten hinein in Mission, Moral und Kolonialismus. In dieser Folge schauen wir genauer hin: Wie wurde Sauberkeit zum Massstab für „Zivilisation“? Wer hat entschieden, was als rein gilt – und warum?
Im Zentrum steht die Forschung von Linda Ratschiller. Gemeinsam verfolgen wir die Spuren der Basler Missionsärzte in Westafrika und tauchen ein in eine Welt zwischen Medizin, Religion und Macht.
Es geht um mehr als nur Waschen:
um Sauberkeit als Herrschaftsinstrument,
um Tropenpyjamas und Kolonialkochbücher,
um Missionare in lokalen Kleidern...
dr 1. Mai: Viel Arbeit für einen freien Tag
Der 1. Mai – «Tag der Arbeit»
In dieser Folge reisen wir zurück zu den Ursprüngen dieses Feiertags und folgen seiner Entwicklung bis heute. Wir machen Station in Chicago, Paris, in Bremen und in der Schweiz und zeigen auf, dass dieses Datum von unterschiedlichster Seite verwendet, instrumentalisiert und entsprechend den eigenen Zielsetzungen gedeutet wurde. Es ist eine Geschichte von Kämpfen und Konflikten, aber auch von Frühlingsblumen und Spaziergängen im Park.
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ds Velo: Krieg, Strassenkampf und Klima
Vom Militär über Alpenpässe bis in die Mitte von Protest und Stadtpolitik: Am Velo wurden Kontrolle, Macht und urbane Ordnung verhandelt. In diesem zweiten Teil der Doppelfolge zum Fahrrad sprechen wir über seine Rolle in der Schweizer Armee, blicken auf seine Bedeutung in der Dekolonisation – und wir verfolgen seine Geschichte in Verkehrsplanung, sozialen Bewegungen und aktuellen Klimadebatten. Es wird deutlich: Wer über das Velo spricht, spricht immer auch über Macht.
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Wer unsere...
ds Velo: Ungebremste Emanzipation
Das Velo brachte mehr in Bewegung als nur Menschen.
Von Anfang an war es ein politisch und kulturell aufgeladenes Objekt: Symbol für Fortschritt, Mobilität und Beschleunigung – und ein Auslöser dafür, wie über Körper, Geschlecht, Klasse und öffentliche Räume neu nachgedacht wurde.
In dieser ersten Folge erzählen wir die Entwicklungsgeschichte des Velos – und zeigen, warum gerade an ihm Fragen von Freiheit, Frauenrollen und gesellschaftlichem Wandel verhandelt wurden.
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Sexarbeit: Zwischen Legalität und Stigma
Sexarbeit als Arbeit polarisiert, in Vergangenheit und Gegenwart. Aber warum eigentlich? Gemeinsam mit der Historikerin Sarah Baumann sprechen wir über ihre Geschichte in der Schweiz: über Registrierung, Sittenpolizei, Internierung und Stigmatisierung, aber auch über Handlungsmacht, Aushandlungsprozesse und feministische Perspektiven. Ein Gespräch darüber, weshalb Sexarbeit bis heute so kontrovers verhandelt wird.
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D’Badi: Körper, Konflikte und Kontrolle im Freibad
Kaum ein Raum bündelt Sommer, Erinnerung und gesellschaftliches Leben so stark wie das Freibad. In dieser Folge schauen wir auf seine Geschichte – vor allem auf jene des Marzilis, laut Stadt Bern das grösste und meistbesuchte Flussbad der Schweiz. Wir sprechen über das erste Baden in der Aare, über Hygienevorstellungen, Schwimmunterricht und Volksgesundheit sowie über Geschlechterordnung, Badebekleidung und öffentliche Moral. Es geht um Seife im Wasser, getrennte Badebereiche, konservative Empörung über Gemeinschaftsbäder, oben-ohne-Debatten und demokratische Badeideale – und darum, weshalb die Badi zugleich Freiraum, Konfliktzone und Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen ist. Oder anders gesagt: Im Freibad wird nicht nur gebad...
Dr Härdöpfel: Eine Knolle schreibt leise Weltgeschichte
Die Kartoffel ist weit mehr als nur Beilage. In dieser ersten Folge unseres Podcasts reisen wir mit ihr durch die Zeit und von den Anden nach Europa. Wir sprechen darüber, weshalb der Knolle zunächst mit grossem Misstrauen begegnet wurde, wie sie sich dennoch zum Massenprodukt entwickelte – und wie die Abhängigkeit von ihr in Irland während der grossen Hungersnot ein dramatisches Kapitel von Armut, Krankheit, Migration und Tod schrieb. Wir blicken aber auch auf die Rösti, darauf, wie der Härdöpfel die Schweiz im Zweiten Weltkrieg zusammenhalten sollte, wie er zur Fastfood-Ikone wurde und was die K...
Trailer: Zeitreise
Geschichte, die vermeintlich jenseits des Spektakulären liegt. Drei Historikerinnen reisen durchs 20. Jahrhundert und blicken insbesondere auf Unerzähltes und Stimmen, die sonst oft überhört werden. Gerade in diesen Geschichten steckt das Potenzial, unser Verständnis der Gegenwart zu verändern und neue Sichtweisen zu eröffnen.