bto FAN edition
bto – beyond the obvious – ist die unabhängige Stimme zur Wirtschafts- und Finanzlage. Dr. Daniel Stelter und seine Gäste dikutieren die zentralen Fragen unserer Zeit, geben Orientierung und formulieren Handlungsempfehlungen, die über die Grenzen des politischen Opportunismus hinausgehen.
#434: Erwartungen und Grenzen
Notenbanken sind keine Gesetzgeber und ihre Instrumente können fehlende Reformen nicht ersetzen – der Ball liegt bei der Politik.
Erwartungen haben eine besondere Bedeutung für die Wirtschaftspolitik. Vor allem beim Thema Inflationserwartungen gilt diese Bedeutungsschwere. Doch es gibt auch generelle Zweifel. So veröffentlichte der Notenbank-Ökonom Jeremy B. Rudd von der US-amerikanischen Federal Reserve (FED) bereits im September 2021 einen viel beachteten Kommentar, in dem er die Sinnhaftigkeit der Steuerung nach Erwartungen in Frage stellte. Das war zwar keine offizielle Position der FED, aber eine berechtigte Warnung, denn die Inflationserwartungen waren niedrig, kurz darauf aber stieg die Inflation in den...
#433: Falsche Richtung
Die mit dem Wirtschaftsnobelpreis 2026 prämierten Forschungen gelten nicht nur in der Welt der Ökonomie, auch die Politik müsste daraus kräftig lernen.
Menschen entscheiden nicht nur nach ihrer heutigen Lage. Sie berücksichtigen auch, was sie für morgen und die Zukunft erwarten. Die beiden US-Ökonomen Robert Hall und Michael Woodford haben gezeigt, wie wichtig dieser Blick nach vorn bei Konsum und Geldpolitik ist. Für ihre Beiträge zu den mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung haben die beiden Wissenschaftler den Wirtschaftsnobelpreis 2026 erhalten.
Auf den ersten Blick haben ihre Forschungen wenig miteinander zu tun. Hal...
#432: Wegwerfen ist keine Lösung
Helfen Sie mit Ihrer Stimme der Unternehmerin Dr. Juliane Kronen und innatura, um nachhaltiges Wirtschaften und soziales Handeln zu unterstützen.
Leider ist in Deutschland das Wegwerfen für Unternehmen noch immer um ein Vielfaches günstiger als das Spenden – wegen der Umsatzsteuer. Fabrikneue Produkte werden aussortiert, während soziale Einrichtungen genau diese Dinge benötigen. So landen jährlich Waren im Wert von sieben Milliarden Euro im Müll: Schulsachen, Shampoo, Putzmittel und die Liste ließe sich fortsetzen. Doch es geht auch anders. Dr. Juliane Kronen hat mit innatura ein gemeinnütziges Unternehmen aufgebaut, das beide Seiten zusammenbri...
#431: Die Hütte brennt
Der Metall- und Elektroindustrie droht ein Dammbruch bei der Beschäftigung und in der aktuellen Tarifauseinandersetzung geht es nicht nur um Löhne und Gehälter, sondern um die Zukunft einer ganzen Industrie.
Die deutsche Metall- und Elektroindustrie verliert nach Angaben von Gesamtmetall derzeit rund 10.000 Arbeitsplätze im Monat. Seit dem Beschäftigungshöchststand im Jahr 2019 sind bereits rund 350.000 Stellen weggefallen. Zugleich bleiben Kapazitäten unterausgelastet, Arbeitskosten und Produktivität entwickeln sich auseinander und die Branche investiert weniger in neue Ausrüstung als an Wert abgeschrieben wird. Die Firmen haben bisher versucht, den Personalabbau zu bremsen und sozialverträglich zu gestalt...
#430: Ohne bezahlbare Energie keine Industrie
Energiekosten und Versorgungssicherheit sind entscheidende Standortbedingungen, bei denen Deutschland inzwischen klar verliert.
Die Energiewende funktioniert nicht. Auf dem bisher eingeschlagenen Weg kann Deutschland weder das Ziel der Klimaneutralität erreichen, noch die Versorgungssicherheit gewährleisten oder günstigen Strom bereitstellen. Die Kosten der Energiewende beschränken sich auch nicht auf die Ausgaben für den Umbau des Energiesystems, sondern gehen weit darüber hinaus. Die hohen Energiepreise sind ein gravierender Wettbewerbsnachteil und führen damit zu einem (beschleunigten) Verlust an Arbeitsplätzen in den ehemaligen Schlüsselindustrien.
Aktuelle Studien zeigen außerdem, dass die energieintensive Produktion in Deutschlan...
#429: Geopolitik sticht Klimaschutz
Der frühere MI6-Chef warnt vor kurzsichtigen energiepolitischen Entscheidungen angesichts der Priorisierung des Klimaschutzes – das gilt auch für Deutschland.
Die Energiewende soll Deutschland nicht nur klimaneutral machen, sondern auch unabhängiger und sicherer. Doch weniger Brennstoffimporte sind nicht dasselbe wie eine unabhängige Energieversorgung. Die Krise bei Dieselkraftstoff zeigt, worauf es nämlich ebenfalls ankommt: Raffinerien, funktionierende Lieferketten und die Bereitschaft anderer Länder, uns im Krisenfall weiter zu beliefern.
Was beim Diesel sichtbar wird, gilt auch für das Stromsystem. Wer Anlagen nicht mehr selbst bauen, mit Ersatzteilen versorgen oder reparieren kann, bleibt auf andere an...
#428: Mehr Staat ist noch keine Lösung
Clemens Fuest über Staatslenkung, Wettbewerb und private Investitionen
Nicht erst seit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin verwendet die SPD “New Deal” als Leitbegriff für einen wirtschaftlichen Neustart, der Wachstum und soziale Sicherheit miteinander verbinden soll. Die Wahlergebnisse der SPD sind wohl der Grund, nun vehementer eine Kurskorrektur ihrer Koalitionsregierung mit der Union zu fordern.
Eine bessere Konjunktur allein ist aber noch keine Lösung der deutschen Strukturprobleme. Es muss vielmehr um wirtschaftspolitische Antworten auf verschiedene Fragen gehen: Soll der Staat immer mehr Geld verteilen, Preise regulieren und Investitionen lenken? Oder muss er vor allem die Bed...
#427: Der falsche Schluss
Die deutsche Wirtschaft erholt sich etwas, doch das ist noch lange kein Grund, auf Reformen zu verzichten.
Die deutsche Wirtschaft wächst stärker als noch vor einigen Monaten erwartet. Um immerhin 1,3 Prozent soll die hiesige Wirtschaftsleistung 2026 zulegen und im kommenden Jahr um 1,1 Prozent. Da mag der eine oder andere denken, das Milliarden-Schuldenprogramm der Bundesregierung würde wirken.
So glaubt auch die SPD an die Wunderwirkung staatlicher Konjunkturprogramme. Letzte Woche sickerte durch, dass die Parteiführung keinen Sinn in weiteren Reformen sieht. Stattdessen soll ein „New Deal“, also ein großes staatlich finanziertes Transformationsprogramm, die deutsche Wirtschaft wieder au...
#426: Nach dem Versagen der Währungshüter
Die Notenbanken der Welt tragen die Verantwortung für die Inflation und erhöhen nun die Zinsen.
“Der beste Ökonom, den der IWF nie hatte” – so titelte der Economist im September 2026 eine sehr bemerkenswerte Geschichte in seiner Printausgabe. Der portugiesische Makroökonom Ricardo Reis, Professor an der London School of Economics, wäre in diesem Sommer beinahe zum Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds ernannt worden. Beinahe! Denn Reis’ öffentliche Kritik an Trumps Zöllen und wohl auch seine wesentlich schärferen politischen Kommentare an Trump persönlich haben ihn den Posten gekostet. Was vor allem für den IWF schlecht ist, denn...