Kontrafunk: Unter Freunden
Hier herrscht Harmonie im Kontrafunk. Schriftsteller und Liedermacher Bernhard Lassahn, auch genannt „der Milde aus dem Norden“, unterhält sich mit Gästen, die in Kultur und Gesellschaft etwas Besonderes beigetragen haben. Der Ton ist heiter, manchmal neckend, und immer typisch für ein Gespräch unter Freunden. Denn Freundschaft ist etwas, das gerade auch dann hält, wenn politische, philosophische oder religiöse Überzeugungen dagegenstehen.
Unter Freunden: Ben Richter – Mit Nietzsche gegen den Nonsens, den uns der Zeitgeist zumutet
In seinem Kanal „Selfmade-Philosophie“ führt Ben Richter besonders krasse Netzfunde vor, die eindrucksvoll illustrieren, was Friedrich Nietzsche unter „Sklavenmoral“ verstanden hat. Davon ausgehend stellt er Betrachtungen über den Zustand der Gesellschaft an, die solche „geisteskranken“ Erscheinungen hervorbringt. Neben Nietzsche ist Max Stirner und seine Vorstellung von einem „radikalen Egoismus“ ein wichtiger Einfluss für sein Denken, das er in seiner Onlineplattform „Der freie Blick“ zur Diskussion stellt. Darüber hinaus bietet er Videokurse an, moderiert ein Buchklubtreffen und lädt zu einem jährlichen Treffen der Community in Sofia ein.
Ben Richter beschreibt seine persönliche Wandlung vom mittellosen, in Opferha...
Unter Freunden: Martina Rellin – „Klar bin ich eine Ost-Frau!“
Mit dem Buch „Klar bin ich eine Ost-Frau!“, in dem Martina Rellin Frauen aus dem Osten ohne festen Fragenkatalog vom „richtigen Leben“ erzählen lässt, stellt sie sich in die Tradition der Protokollbücher von Autoren wie Maxie Wander und Günter Wallraff. Sie will ein möglichst vollständiges und realistisches Bild von der Lebenssituation zeichnen, frei von Verzerrungen und Einseitigkeiten, die durch einen oberflächlichen Westblick entstanden sind. Dabei geht es nicht nur um die von der Westpresse begierig aufgegriffene Frage, ob „Ostfrauen mehr Orgasmen haben“, sondern um ein authentisches Gesamtbild.
Dabei wendet sie die FKK-Methode an – „M...
Unter Freunden: Emrah Erken – Was macht den Hot Jazz so heiß?
Emrah Erken hat sich „verliebt“ in den Hot Jazz, in die Komplexität und die „Lebendigkeit“, die von alten Schellackplatten ausgeht, „als würde einem die Musik ins Gesicht springen“. Er sammelt die Platten nicht nur, er bereitet sie so auf, dass sie die Hörer von heute erfreuen können, und präsentiert seine Schätze auf seinem Kanal „Atticus Jazz“. Emrah Erken schwärmt besonders von Bix Beiderbecke und dem jungen Louis Armstrong – „etwas vom Besten, was die Vereinigten Staaten überhaupt hervorgebracht haben“ – und berichtet, wie einst ein Weißer zu ihm sagte: „Hey, weißt du was, ich hasse Nigger, aber du, du bist g
Unter Freunden: Sieglinde Kliemen. Ein Haus für Männer in Not – die Bedeutung der Würde
Sieglinde Kliemen hat das erste Männerhaus gegründet, das „Zwüschehalt Bern“, ein Zufluchtsort für Männer, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Dafür wurde ihr der Swiss Diversity Award in der Kategorie Equality verliehen. Es wirkt womöglich überraschend, dass ein solches Männerhaus überhaupt notwendig ist, aber nicht für Sieglinde Kliemen: Sie setzt sich dafür ein, weniger in einfachen Täter-Opfer-Schubladen zu denken, sondern die dahinterliegende Beziehungsdynamik und das gesamte System zu betrachten. Bei Trennungen werden Väter häufig strukturell benachteiligt, und Kinder werden als Machtmittel eingesetzt, während die Beistandschaften eher „Mutterschutz“ a...
Unter Freunden: Sergei Chorolski, Sergei Bereschnjuk – „Die Menschen in der Ukraine versuchen einfach nur zu überleben“
Schon während seiner Armeezeit im Jahre 2012 produzierte Sergei Chorolski humorvolle, leicht erotische Musikvideos. Mit Kriegsbeginn wurden die Videos politischer, nach seinem Spottlied „Patriotin“ über Frauen, die selber das Land verlassen hatten und gleichzeitig Männer zum Kämpfen aufforderten, wurde das Militär auf ihn aufmerksam. Er musste untertauchen, schließlich gelang ihm die Flucht, indem er nachts durch einen Grenzfluss nach Moldawien schwamm. In Deutschland setzt er seine Videoarbeit fort, nun jedoch als Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen: Er sammelt Aufnahmen von gewaltsamen Zwangsrekrutierungen durch die sogenannten TCK-Einheiten, die brutal Männer entführen.
Möglich wird das Gespräch durc...
Unter Freunden: Thomas Fügner – „Wer kein Leben hat, hält sich an seine Rechte. Wer ein Leben hat, hält sich an seine Pflichten“
Männer organisieren sich, es gibt neue Männermanifeste, ein Deutscher Männerrat e. V. steht vor der Gründung. Thomas Fügner ist Männercoach mit einem speziellen Programm und einem distanzierten Verhältnis zu der neuen Entwicklung. Er kritisiert sowohl die Tendenz zur Unterwerfung unter feministische Zuschreibungen, bei denen Männer als toxisch gesehen werden, als auch frauenverachtende Auswüchse, die man in der „Pick-up-Artist“-Szene findet. Die größte Tragik für Männer sieht er darin, dass ihnen der Zugang zu ihren Kindern verweigert wird.
Als Weg aus der Tragik empfiehlt er die japanische Kintsugi-Kunst, d...
Unter Freunden: Isabelle Casel – „European Peace Project“
Die Friedensaktivistin und Tänzerin Isabelle Casel berichtet vom „European Peace Projekt“, das sie zusammen mit Ulrike Guérot ins Leben gerufen hat. Dabei wird am 9. Mai um 17 Uhr europaweit ein in verschiedene Sprachen übersetztes Friedensmanifest verlesen und mit künstlerischen Aktionen angereichert. Außerdem stellt sie das neu gegründete „European Peace Project“ vor, das sich als breit aufgestellter Thinktank versteht, der eine von der EU unabhängige, eurasisch orientierte multipolare Zukunft Europas entwickeln will.
Die erste Konferenz findet am 26. September in Istanbul statt und ist als Gegenentwurf zu Institutionen wie der Münchner Sicherheitskonferenz gedacht. Isabelle Casel wünscht si...
Unter Freunden: Alexander Schlag – Auf der Flucht vor dem Blackout
Unter dem Pseudonym R. Tarden hat Alexander Schlag einen Roman geschrieben mit dem harmlosen Titel „Nord-Nordost“ und dem verräterischen Untertitel „Eine Flucht vor dem europäischen Blackout“, der als drohendes Unheil im Hintergrund lauert. Der Segeltörn, der unter anderen Umständen heiter sein könnte, stellt die beiden Männer an Bord vor die Frage, wie eine Gesellschaft nach einem Systemversagen neu beginnen kann. Wie kann ein Neuanfang mit Eigenverantwortung, Urteilskraft und Demut sich staatlichen Regulierungen entgegenstellen?
Alexander Schlag ist gelernter Elektrotechniker mit Spezialisierung auf Energieverbundsysteme, man merkt ihm sowohl sein leidenschaftliches Segelfachwissen an als auch seine fundiert...
Unter Freunden: Leo Ensel und das „Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit“
Dr. Leo Ensel sieht sein „Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit" als fortlaufendes Sammelprojekt, in dem dokumentiert wird, wie verharmlosende und militarisierte Sprache uns auf einen Krieg vorbereiten soll. Seine Vorbilder sind Victor Klemperer, Dolf Sternberger und vor allem Günther Anders, der von „Apokalypse-Blindheit" spricht, mit dem die Unfähigkeit bezeichnet wird, sich die Folgen der von Menschen geschaffenen Zerstörungsmittel wirklich vorzustellen. Als Kind der Friedensbewegung der 1980er-Jahre erzählt Leo Ensel von einem bewegenden Versöhnungserlebnis an der Gedenkstätte Chatyn in Weißrussland. Er plädiert für persönliche Begegnungen und Dialoge über Grenzen hinweg als konkrete Friedens...
Sommerfestival – Unter Freunden: Vera Lengsfeld – Die Verheerungen der Merkel-Jahre
Mit ihrem Buch „Ist mir egal. Wie Angela Merkel die CDU und Deutschland ruiniert hat“ möchte Vera Lengsfeld verhindern, dass Angela Merkel den Kampf um das Geschichtsbild, das sie hinterlässt, gewinnt. Merkel arbeitet intensiv an ihrem Nachruhm; sie sorgt immer noch dafür, dass Kritik unterbleibt, dass die Nachwirkungen ihrer Kanzlerschaft möglichst lange zu spüren sind und dass es so schnell keine Umkehr geben wird. Doch Lengsfeld will nicht, dass Merkel mit ihren Täuschungsmanövern und Rechtsbrüchen durchkommt und ihr Zerstörungswerk weiterhin verschleiert und weitgehend unbekannt bleibt. (Wiederholung vom 23. Februar 2025)
Ihr Buch blickt h...
Sommerfestival – Unter Freunden: Die Schattenlieder von Udo Jürgens
Von Udo Jürgens gibt es etwa tausend Lieder, er selbst gestand ein, dass darunter einige „Gurken“ sind. Es sind allerdings auch unterschätzte Kunststücke dabei, die im Schatten seiner großen Erfolge stehen. Manfred Bockelmann, der neun Jahre jüngere Bruder, der als Maler Karriere gemacht hat, nennt sie „Schattenlieder“ und stellt einige davon vor. Er berichtet, dass er sich durch den Altersunterschied glücklicherweise von Anfang an nicht in Konkurrenz zu seinem berühmten Bruder gesehen hat und stets in einem produktiven Austausch mit ihm stand. Die Schattenlieder von Udo Jürgens sind überraschend aktuell, wenn er etwa davon singt...
Sommerfestival – Unter Freunden: Dr. Wolfgang Epple – das Elend der Windräder
Windräder ruinieren unsere Landschaften. Auch die letzten verbliebenen Rückzugsgebiete sollen nun der Windkraftindustrie zum Opfer fallen. Doch es regt sich Widerstand. Auch Dr. Wolfgang Epple wehrt sich. Sein neues Buch „Windkraftindustrie und Naturschutz“ hat den bezeichnenden Untertitel „Windkraft-Landschaftsschutz-Naturschutz-Ethik“; denn Epple bietet nicht nur Zahlen und Fakten, er ordnet sein Engagement auch in einen weltanschaulichen Rahmen ein, der an Hans Jonas und dem Prinzip Verantwortung orientiert ist. (Wiederholung vom 14. September 2025)
Epple mischt sich ein, er reist zu den im Schatten der Windräder leidenden Menschen, um ihnen Argumente gegen die Windkraft zu liefern und den Sinn für die Schönh...
Sommerfestival – Unter Freunden: Jürgen Danowski – Was ist uns von Preußen geblieben?
Es gab etwas zu feiern: Vor 500 Jahren erfolgte die Gründung des Staates Preußen durch Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Dr. Jürgen Danowski berichtet vom Festakt in Ansbach und zeichnet bei einem rasanten Ritt durch die Geschichte ein überraschendes Bild dieser bedeutenden europäischen Großmacht, die nicht allein durch Tugenden wie Bescheidenheit, Effektivität, Disziplin und Selbständigkeit geprägt war, sondern auch durch Toleranz, durch eine Marktwirtschaft mit geringer Steuerlast und durch die Förderung der Wissenschaften. Das Verhältnis zum Militär war weit differenzierter, als uns das Vorurteil einflüstern will, es ermöglichte die allgemeine Schulpflicht u...
Unter Freunden: Sebastian Maack – Adenauer kannte noch kein Smartphone
Kinder kriegen die Leute sowieso“, hatte Adenauer gesagt. Doch die Kinder bleiben aus. Wir gehen einer demografischen Katastrophe entgegen. Im letzten Jahr ist weltweit die Geburtenrate unter das Bestandshaltungsniveau von 2,1 Kindern pro Frau gesunken. Es gibt weltweit eine zunehmende Bindungsunfähigkeit, und dabei spielt das Smartphone eine gewisse Rolle. Studien, die untersucht haben, wann und wo sich das Smartphone verbreitet hat, und die die Verbreitung mit der Geburtenrate verglichen haben, haben gezeigt, dass mit der zunehmenden Nutzung der Smartphones die Anzahl der Partnerschaften gesunken ist und damit auch die Geburtenrate.
***Weiterlesen-Trenner***
Sebastian Maack ist Bundestagsabgeordneter im Familienausschuss und hat...
Unter Freunden: Bengt Kiene – „Corona hat uns gespalten. Doch nun gilt es gemeinsam für den Frieden zu trommeln“
Bengt Kiene ist seit über dreißig Jahren auf Kabarettbühnen aktiv, als Solist oder mit der Gruppe „Hammer und Harfe“. Von Anfang an waren Lieder von Georg Kreisler im Programm; Kreisler war überhaupt der Grund, „warum er auf die Bühne geklettert ist“. Von Anfang an gehörte auch das Thema Krieg und Frieden dazu. Da konnte er aus dem Vollen schöpfen und sich an den Perlen der Kabaretttradition bedienen. So weit, so gut. Doch dann wurde durch den Lockdown „alles dichtgemacht“. Corona war für ihn „die Wetterscheide“. Bengt Kiene findet deutliche Worte: „Der ganze Berufsstand Kabarett hat sich bis auf die Knoch...
Unter Freunden: Ulli Kulke – Die Südsee, Sehnsuchtsort für Erzähler und Klimaschwindler
Ulli Kulke hat als erster deutscher Journalist die abgelegenen Pitcairninseln besucht, auf denen sich einst die Meuterer von der Bounty versteckt hatten. Er kennt nicht nur die berühmten Sehnsuchtsorte, sondern auch selten besuchte Adressen in der Südsee, er war auf den Gewürzinseln, auf kleinen Atollen und auf der legendären Insel Yap, wo die Geldmünzen so groß sind wie Mühlsteine. Als „Donald Duck“-Leser und studierter Volkswirt hat ihn natürlich das „große Geld“ besonders gereizt, aber noch stärker war der Lockruf der Südsee gewesen, der ihn schon als Kind verführt hatte. Von seinen Tr...
Unter Freunden: Heimat – was allen in die Kindheit scheint. Am Anfang war das Kinderlachen
Haben wir überhaupt noch eine Heimat? Oder nur noch eine Erinnerung daran? „Heimat“ ist das berühmte letzte Wort bei Ernst Bloch in dessen dreibändigem Werk „Das Prinzip Hoffnung“. Worauf hoffen wir? Darauf, dass wir unsere „Entäußerung“ und „Entfremdung“ ablegen können und „dann etwas entsteht, was allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat“. Was einem in die Kindheit scheint, soll hier in bei einem Rundgang durch ein imaginäres Heimatmuseum vorgeführt werden: Wir erinnern uns an Gartenzwerge, an die Dauerwurst und an den Ochsenschwanz, an die Mausefalle, den Flitzebogen und den Gilb.
Unter Freunden: Gabriele Gysi – Europa
Was als vielversprechendes Zukunftsprojekt begann mit der Vorstellung von einem geeinten Europa in Frieden und Freiheit hat sich zu einer Bedrohung entwickelt. Gabriele Gysi findet deutliche Worte, sie spricht von „Betrug“, von einem neuen „Imperialismus“ und von „organisierter Verantwortungslosigkeit“, wie man sie aus der DDR kannte und wie sie heute durch das Wirken der NGOs in neuer Form auflebt. Sie beklagt eine kulturelle Nivellierung, spricht von Abscheulichkeiten wie dem Eurovision Song Contest und der Art, wie sich die Olympischen Spiele präsentieren. Sie warnt vor einer neuen Aufrüstung und zeigt sich fassungslos über die „Sanktionen“, die sich die EU anmaßt.
Unter Freunden: Hubertus Becker – „Die Niederlage des Gefängnisses“
Hubertus Becker, genannt Huby, ist eine „Verbrecherlegende“. Sein Ehrenkodex, niemanden zu verraten, hat ihm nicht nur in der Unterwelt Respekt eingebracht und wird in Videos von Gangster-Rappern gepriesen. Als Haschischschmuggler hat er auf internationaler Bühne ein Luxusleben geführt, das ihn mit prominenten Abnehmern seiner Schmugglerware zusammengebracht hat. 1972 wurde er zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt, traf im Gefängnis auf Ludwig Lugmeier und startete ein neues Leben als Schriftsteller. Er gewann Preise, wurde von Martin Walser gefördert und ist inzwischen selbst ein aktiver Förderer der Gefängnisliteratur.
Unter Freunden: Franz Esser, Michael Sailer – Das neue München, wie es singt, lacht und lästert
Beide hatten dreissig Jahre Erfahrungen auf der Bühne hinter sich, als Corona dem Treiben ein Ende setzte. Michael Sailer versuchte in einem „heimlichen Garten“ durchzuhalten. Da traf er auf Franz Esser. Aus der Begegnung wurde ein neuer Anfang mit gemeinsamen Projekten und neue Formaten. Franz Esser, der Musiker, greift dabei auf ein Spektrum zurück, das von Degenhardt-Liedern und Schlagern bis hin zu Popsongs und Minihörspielen reicht. Michael Sailer, der „Büchernarr“, schreibt kritische Kommentare zu der „Chronik der laufenden Ereignisse“, die man wegen ihrer besonderen Beobachtungsgabe und Detailgenauigkeit mit den Aufzeichnungen von Victor Klemperer vergleichen kann. Beide sind nach der Co...
Unter Freunden: Magda von Garrel – „Mensch als Beute“
Man kann sich leicht von der scheinbaren Beiläufigkeit täuschen lassen, wenn Magda von Garrel uns in ihrem Buch „Mensch als Beute“ einigen freundlichen Gesprächen – etwa über Katzenkrankheiten – lauschen lässt. Die Dialoge sind gut zu lesen und führen uns sanft wie auf Katzenpfötchen an das Thema heran: die Bedrohung durch „elitäre Transformationsprojekte“. Magda von Garrel warnt vor den Gefahren der Digitalisierung, die im Bereich der Bildung bereits schwere Schäden angerichtet hat, vor der zunehmenden Überwachung, die sich besonders drastisch an den Sanktionslisten der EU zeigt. Der Verlierer bei den gigantischen Geschäften und kriminellen Machenschaf...
Unter Freunden: Volker Mohr – der Architekt mit dem poetischen Blick
Volker Mohr hat Architektur studiert und hat sich in Literatur verliebt. Er ist, wie Vera Lengsfeld meint, „einer der erstaunlichsten Gegenwartsautoren“ der Schweiz. Da ist es nicht weiter erstaunlich, dass man in seinem Buch „Der Verlust des Ortes“ Betrachtungen über die Verrohung der Baukunst findet, die – eingerahmt in literarische Ausschweifungen – eine Tendenz aufzeigen, bei der am Ende der Mensch nicht als Mensch, sondern als Maschine gesehen wird, und immer nur, wie man heute unbedacht sagt, „vor Ort“ ist, jedoch nicht im Ort.
Unter Freunden: Friedhelm Reis – „Hass zerstört immer nur den, der hasst, niemals den Verursacher“
Manche kennen Friedhelm Reis womöglich von seinen „Berliner Flair“-Stadtführungen mit Rikscha, die ihn schließlich dazu gebracht haben, ein Standardwerk über 800 Jahre Berliner Geschichte zu verfassen. Darin breitet er viele historische Quellen aus, weil er in neueren Büchern „nichts über die Seele der Stadt“ gefunden hatte. Seine umfassende Bildung geht letztlich auf seine Stasi-Haft zurück, als er in seiner Verzweiflung – nach Aufhebung des Leseverbotes – Hilfestellung und Kraft in den Schriften der Klassiker fand, besonders bei Schiller, wo es im „Don Carlos“ heißt: „Verlerne zu bedürfen, was man dir verwehren kann“, und in „Maria Stuart“: „Man kann dich niedrig...
Unter Freunden: Warschauer Ghetto
Schreck der Erinnerung: Am 19. April 1943 begann der Aufstand im Warschauer Ghetto, der im Mai mit einer „Großaktion“ niedergeschlagen wurde, sodass der SS-Brigadeführer Jürgen Stroop melden konnte: „Der ehemalige Jüdische Wohnbezirk Warschaus besteht nicht mehr.“ 65.065 Juden wurden „erfasst“ und „nachweislich vernichtet“. Ein Rückblick auf zwei Reisen, die sich dem Geschehen annähern, auf zwei Ausflüge in die Vergangenheit mit viel Musik und mit persönlichen Erinnerungen.
Unter Freunden: Gabriele Gysi – Grabrede auf die DDR in Würde
Gabriele Gysi kommt aus einer „redenden Familie“, in ihrem Buch „Die Nacht, als Soldaten Verkehrspolizisten wurden“ mit dem Untertitel „Gibt es noch eine deutsche Frage?“ will sie eine Art Grabrede auf die DDR halten, um zu einem „stillen Grab“ zu kommen, um den Bürgern der DDR ihre Würde zurückzugeben. Sie betont den „Aufbauwillen“ und den aufrichtigen Wunsch, eine „gerechte Welt“ zu schaffen, stellt aber auch viele Fragen: Wie kam es zu einem Kulturkampf und zur Abschaffung der deutschen Kultur? Welche Rolle spielte Sergei Tjulpanow? Welche Elvis Presley? Welche Funktion hat das Gendern? Worin besteht der Vorteil, dass die Entwicklung in der DDR...
Unter Freunden: Christian Reuther – Friedensfahrt mit dem Rad
Damals waren sich die Organisatoren nicht einig, ob eine „Internationale Friedensfahrt“ von Warschau nach Prag führen sollte oder umgekehrt. 1948 gab es deshalb zwei Fahrten, eine von Warschau nach Prag, eine in die Gegenrichtung. Christian Reuther erzählt von der „Friedensfahrt Berlin“, die es seit 2022 gibt und sich als Fortsetzung dieser spektakulären Friedensfahrten sieht, die damals in der DDR jeder kannte. Auch 2022 mussten verschiedene Richtungen zusammengeführt werden: Die alten Friedensfahrer sehen sich in linker Tradition, die neuen Radler werden als „Neue Rechte“ beschimpft. Die „Friedensfahrt Berlin“ entstand aus den Corona-Demonstrationen, mit denen die Linken zunächst fremdelten. Inzwischen finden sie zusammen...
Unter Freunden: Andrea Charlotte Berwing – „Wir wurden mit Liebe erpresst“
Ihr Vater saß nach versuchter Republikflucht im Gefängnis. Weil sich die junge Andrea nicht von ihrem Vater distanzieren wollte, wurde sie in Mitleidenschaft gezogen. Sie durfte kein Abitur machen, als sie einen Ausreiseantrag stellte, beschied man ihr: „Sie kommen hier nie raus.“ Sie wurde Punk-Sängerin, weil es die angemessene Musik war, um das „sprengende Gefühl“ gegenüber den Einschränkungen des Sozialismus auszudrücken. Als sie schließlich doch in den Westen kam, war sie enttäuscht, als sie den Ost-Punk mit dem kaputten West-Punk verglich. Sie wollte nicht in die „Selbstzerstörung gehen“, schrieb Bücher und kleine kritische Te...
Unter Freunden: Christian Wipperfürth – Versagt die deutsche Diplomatie? Verlieren wir unsere Freunde?
Staaten sind nicht miteinander befreundet, sie haben unterschiedliche Interessen, die abgeglichen werden müssen. Dennoch gibt es auch zwischen einigen Staaten geradezu freundschaftliche Beziehungen, die auf eine lange Geschichte zurückblicken. Dr. Christian Wipperfürth, der sich besonders auf das deutsch-russische Verhältnis spezialisiert hat, gibt einen Überblick über die Entwicklung der deutschen Diplomatie und bedauert, dass die ehemals guten Beziehungen „verspielt worden sind“. Entsprechendes gilt für die Beziehungen mit dem Iran. Wipperfürth beklagt nicht nur die aktuelle Misere und weist auf Defizite der deutschen Außenpolitik hin, er erinnert auch an gute Zeiten, an gute Einzelfälle und macht konk...
Unter Freunden: Rebecca Niazi-Shahabi – Die Sehnsucht, dass „Iran wieder Iran sein kann“
Rebecca Niazi-Shahabi hat sowohl israelische als auch iranische Wurzeln. Sie erzählt von ihren Abenteuerreisen nach Teheran, als sie 1975 als Kind das Wunderland mit den imposanten, selbstbewussten Frauen und den schroffen Widersprüchen zwischen Glanz und Elend erlebt und sogar den Schah Reza Pahlavi getroffen hat. Dann musste sie 1979 mitansehen, wie das Land von religiösen Eiferern übernommen wurde. Ihre Liebe zu dem Land wirkt immer noch nach und bereitet ihr vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse schlaflose Nächte. Gleichwohl sorgt sie sich um ihre Freunde in Israel, die ebenfalls in einem dramatischen Konflikt stecken. „Man darf sich gegen nichts...
Unter Freunden: Eugen Zentner – Kunst in Zeiten der Corona-Krise
Während der unglückseligen Corona-Jahren erlebten wir einen „Winterschlaf der Kultur“, wie es Friedrich Nietzsche genannt hätte. Für alle Kunstformen, die sich direkt an ein Publikum wenden wollten, gab es einen Lockdown, regierungskritische Töne wurden bekämpft. Für viele Künstler ging es ums Überleben. Obendrein stellte sich ihnen die Frage, mit welchen künstlerischen Mitteln sie die drängenden Themen verarbeiten sollten. Eugen Zentner hält die Form der Kurzgeschichte für besonders geeignet, um innere Kämpfe darzustellen, die die Helden an einen Punkt bringen, von dem aus sie auf den „Boden ihrer Existenz schauen. Es...
Unter Freunden: David Berger – Confessiones
Sobald die Dinge ausgesprochen werden, so hat Robert Musil gesagt, verlieren sie ihre Macht über uns. In diesem Sinne äußert sich Dr. David Berger in einem ungewöhnlich intimen Bericht über seine Sünden, über exzessiven Drogenmissbrauch, über Sexpartys und seinen Bruch mit der Kirche. Aber auch darüber, wie er wieder zurückgefunden hat zum katholischen Glauben, der für ihn „Heimat“ ist, ein „Ordnungssystem“, eine Versöhnung mit der Kindheit. Berger spricht über die Bekenntnisse, die „Confessiones“, des Heiligen Augustinus, über Konstantin den Großen und über die Kraft im „Salve Regina“.
Er gibt außerdem Hilfestellung für die, denen der Z...
Unter Freunden: David Berger – Confessiones
Sobald die Dinge ausgesprochen werden, so hat Robert Musil gesagt, verlieren sie ihre Macht über uns. In diesem Sinne äußert sich Dr. David Berger in einem ungewöhnlich intimen Bericht über seine Sünden, über exzessiven Drogenmissbrauch, über Sexpartys und seinen Bruch mit der Kirche. Aber auch darüber, wie er wieder zurückgefunden hat zum katholischen Glauben, der für ihn „Heimat“ ist, ein „Ordnungssystem“, eine Versöhnung mit der Kindheit. Berger spricht über die Bekenntnisse, die „Confessiones“, des Heiligen Augustinus, über Konstantin den Großen und über die Kraft im „Salve Regina“. Er gibt außerdem Hilfestellung für die, denen der Zugang zum Kat...
Unter Freunden: Kerstin Steinbach – Die „verhassten Bilder“ aus der „besseren Zeit“
Die von Dr. Kerstin Steinbach so genannte bessere Zeit (von 1965 bis 1975) zeichnet sich durch ein Lebensgefühl aus, das aus heutiger Sicht geradezu märchenhaft wirkt: Man konnte angstfrei seine Sexualität ausleben, selbstbewusst nackt sein und offen seine Meinung aussprechen. Beendet wurde das kurze Glück durch die aggressive „Schwarzerei“, also durch die staatlich abgesicherten Vorstöße von Alice Schwarzer, die uns den gouvernantenhaften Frauenrat und ein „gängelndes“ Sexualstrafrecht beschert haben und durch Berufsverbote, die durch den Radikalenerlass von Willy Brandt möglich wurden. Steinbach hat die „verhassten Bilder“ der „besseren Zeit“, in der Prostitution und Pornokonsum rückläufig waren, lustvoll...
Unter Freunden: Peter Bickel, Johannes Clasen – Was können Impfopfer tun? Wie können wir uns versöhnen?
Hinter der Abkürzung MWGFD verbirgt sich die Gesellschaft der „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, e.V.“ Da haben sich prominente Mediziner und Wissenschaftler zusammengefunden, um eine alternative Darstellung der Corona-Problematik an die Öffentlichkeit zu bringen. Peter Bickel sieht sich als ihr „Internetsprachrohr“. Er hat auf Symposien erlebt, was Betroffene zu berichten hatten – er musste weinen – und hat gleichzeitig erfahren, dass die Öffentlichkeit dazu schweigt. So hat er sich entschlossen, die Internetseite zu gestalten, die nun als Anlaufstelle für Impfopfer dient und zugleich ein Podium für unterschiedliche Beiträge bietet. Die werden von Johannes Clasen moderiert, d...
Unter Freunden: Christoph Felder – „A Single Day“, vom Abenteuer zum Widerstand
Der neue Film von Christoph Felder zeigt die spektakuläre Geschichte des Soldaten Larry Colburn, der sich 1968 im Vietnamkrieg seinen eigenen Kameraden mit Waffengewalt entgegengestellt hatte und so das Massaker von My Lai beenden konnte. Was er an einem einzigen Tag innerhalb von vier Stunden erlebte, prägte sein gesamtes weiteres Leben. Mehr noch: Das Trauma übertrug sich auf seinen Sohn. Für Christoph Felder ist es wichtig, dass der Zuschauer nicht mit einem schlechten Gefühl aus dem Kino kommt. Er zeigt uns eindrückliche Bilder, in denen Geschichten enthalten sind, die in den Köpfen der Zuschauer weitererzählt werd...
Unter Freunden: Peter Priskil – „Der unbekannte Mark Twain“. Echter und falscher Rassismus
Mark Twain kennt jeder. Aber kennen wir ihn wirklich? Peter Priskil stellt uns einen Mark Twain vor, der „Schriften gegen den Imperialismus“ verfasst hat und als stellvertretender Präsident der „Antiimperialistischen Liga der Vereinigten Staaten“ aktiv war. Das ist bisher im Schatten unserer Aufmerksamkeit geblieben, auch sein Buch „König Leopolds Selbstgespräch“ wurde hierzulande kaum wahrgenommen. Stefan Heym hatte es 1967 übersetzt, es blieb dennoch weitgehend unbekannt. Peter Priskil hat vergessene und unterdrückte Texte gesammelt, kommentiert, illustriert und zu einem imposanten Buch zusammengestellt: „Der unbekannte Mark Twain“. Er gibt damit zugleich einen kleinen Überblick über die Weltgeschichte in der ersten Hälfte des zwanz...
Unter Freunden: Thomas Hartung – Woran erkennt man den neuen Faschismus?
Georg Orwell hat schon im Jahr 1944 in seinem Essay „Was ist Faschismus?“ festgestellt, dass der Begriff zum bloßen Schimpfwort verkommen ist. Für die Jahre nach der Wende kann Dr. Thomas Hartung den Befund bestätigen: „Wer alles Faschismus nennt, kennt keinen mehr“, sagt er und führt als Beispiel den Umgang mit dem Gedenken an Trümmerfrauen an. Hartung spricht von einer „Begriffsverwahrlosung“, die als Folge des übereifrigen Kampfes „gegen rechts“ entstanden ist und die sich auch da zeigt, wo man es nicht erwartet hat, wenn es etwa um Blutspenden, um die DLRG, um den Negerkuss oder Accessoires an Kleidungsstücken ge...
Unter Freunden: Achijah Zorn – Die freche Stimme aus der Kirche vom „blühenden Abstellgleis“
Bewegt sich da was in der Kirche? Oder steckt sie weiterhin tief im Gefängnis des Moralismus? Achijah Zorn bekennt sich ausdrücklich zur Tradition der evangelischen Kirche, er „liebt die Reformation“, hat aber das Problem, dass seine Kirche die Tradition nicht mehr lebt und ihn aufgrund einiger Vorfälle, von denen er berichtet, auf einem Abstellgleis entsorgt hat – auf einem „blühenden Abstellgleis“, wie er es nennt. Der erzwungene Ruhestand hat es ihm ermöglicht, mit Muße eine Blütenlese aus seinen Erfahrungen in einem Buch zusammenzustellen, und er kann auch vom Abstellgleis aus „frech und frei“ seine Stimme erheben, womög...
Unter Freunden: Sebastian Grell – Freie Privatstädte
Es scheint gerade eine Freiheitdämmerung zu geben. Es dämmert vielen, dass der Staat, wenn er immer weiter ausufert, mehr schadet als nützt. Da fragt man sich, ob es nicht auch ohne Staat geht und man stattdessen eine Gemeinschaft mit Dienstleistern auf der Basis von Freiwilligkeit schaffen sollte. Theorien dazu gibt es. Titus Gebel hat den Sprung in die Praxis gewagt und in Próspera und Ciudad Morazán in Honduras freie Privatstädte - so genannte Sonderentwicklungszonen geschaffen. Sebastian Grell hat als „Botschafter“ dieser Idee ein imposantes Buch mit dem Titel „Was tun?“ vorgelegt und berichtet, was sich in letzter...
Unter Freunden: Alexander von Bismarck – „Wir können hoffen“
In der „Weihnachtswelt“ im Bismarck-Schloss Döbbelin herrscht freudige Betriebsamkeit. Alexander von Bismarck erzählt von seinen Erfahrungen mit dem Geschäft zum Weihnachtsfest, von Trends, von der Modefarbe Weiß und von der „kleinen grünen Gurke“. Er glaubt, „dass gerade die schöne Weihnachtszeit dazu angetan ist, die innerlichen Werte – und dass man wieder lachen kann – dazu führen, dass wir uns fragen: Müssen wir wirklich in einer Aggressivität miteinander reden, oder können wir andere Wege gehen? Wege, die es früher immer gegeben hat“. Nach wie vor setzt er auf Diplomatie, auf persönliche Begegnungen und auf Kulturaustausch. Heu...