Jazz Collection
Wir stellen die Grossen des Jazz und verwandter Musiksparten in exemplarischen Aufnahmen vor – im Gespräch mit Gästen, die sich bestens auskennen im weiten Feld von Blues bis World. Analysen haben hier ebenso Platz wie Anekdoten.
Nicholas Payton: Tradition mit Ecken und Kanten
Nicholas Payton ist Trompeter, Pianist – und Provokateur. Seine Musik nennt er nicht Jazz, sondern #BAM,Black American Music. Ob er damit vor allem im Gespräch bleiben will oder ob sein künstlerischer Beitrag für sich spricht, diskutiert der Zürcher Trompeter Matthias Spillmann in der «Jazz Collection» mit Jodok Hess. Die gespielten Titel: Interpet:in: Titel (Album / Label): - Nicholas Payton: Whoopin' Blues (Gumbo Nouveau / Verve) - Doc Cheatham & Nicholas Payton: Star Dust (Doc Cheatham & Nicholas Payton / Verve) - Nicholas Payton: The Three Trumpeters (Payton's Place / Verve) - Allen Toussaint: Singin' the Blues (The Bright Mississippi / Nonesuch) - Nicholas...
Tom Harrell – der eigenwillige Lyriker
Als Trompeter technisch top, wählt der 80jährige Tom Harrell als Komponist und Solist einen lyrischen Weg. Elegante Melodielinien sind sein Markenzeichen in harmonisch durchdachten Stücken. Diese zeichnen sich durch grosse Vielseitigkeit aus. Harrell hat einen Hang zu Brasil. Freude an abstrakten Stücken. Und ganz besonders wichtig sind ihm melancholisch zarte Balladen. Gerade die Fähigkeit zu überraschen ist die Konstante in seinem Schaffen, in dem er als Instrumentalist über Jahrzehnte hinweg überzeugt. Und das, obwohl Harrell mit gesundheitlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Er ist aufgrund seiner bereits in der Jugendzeit diagnostizierten Schizophrenie dauerhaft auf Medikamente angewiese...
Pat Metheny - mit Streifenleibchen und Löwenmähne
Ab Ende der 70er Jahre unterwegs mit seinen Bands, erreichte der Gitarrist Pat Metheny spielend das grosse Publikum. Die Mischung aus Sunnyboy und süffigem Fusion-Jazz, die Leichtigkeit der Improvisation, die euphorisierenden Songs - der Erfolg und die Herzen schienen Pat Metheny stets zuzufliegen. Was vielleicht insofern erstaunlich ist, als er durchaus auch Risiken einging mit seiner Musik und - gerade auch nach dem Ende der Pat Metheny Group 2010 - immer wieder neue Wege suchte. Wie er es schafft, auch mit über 70 jugendlich zu wirken und live unterwegs zu sein, was seine Musik auszeichnet und wie man sich selber als Gi...
Marilyn Monroe – als Sängerin unterschätzt?
Ein gehauchtes «Happy Birthday, Mr. President» wird Ihnen vielleicht in den Sinn kommen, wenn Sie an die Sängerin Marilyn Monroe denken, oder ihre kecke Versicherung, dass Diamanten die besten Freunde seien für ein Mädel. Zum 100. Geburtstag von Marilyn Monroe ein Wiederhören. Marilyn Monroe hat aber mehr zu bieten als uns das kollektive Gedächtnis überliefert. Die Popikone nahm Gesangsunterricht und war eine begeisterte Jazzhörerin. Davon zeugt z.B. das kindlich-laszive Kauderwelsch in «I Wanna Be Loved By You», das eben auch eine Hommage ist an den Scatgesang. Boop-boop-de-boop! An einem ihrer Konzertbesuche freundete sich Marilyn Monroe übri...
«Playing With Miles» - die Geburtstags-JazzCollection
Genial, unangepasst, visionär: Vor hundert Jahren ist Miles Davis zur Welt gekommen, und noch heute gilt er als Prototyp des Jazzmusikers. Viele seiner Alben sind Meilensteine, einige seiner Bands gelten bis heute als unübertroffen. Was fasziniert die junge Generation an diesem Trompeter und Komponisten? Warum wurden so viele der Sidemen von Miles später selber Bandleader? Und kann man heute überhaupt noch ein Bandleader sein wie Miles Davis es war? Die Trompeterin Sonja Ott und der Schlagzeuger Philipp Leibundgut sind nicht nur mitgeprägt vom Kosmos Miles, sie spielen auch in vielen kleinen und grossen und zum Teil gemei...
Tenorsaxofon mit Biss: Eddie «Lockjaw» Davis
Obschon der erdige Sound und die zupackende Spielweise von Eddie «Lockjaw» Davis völlig eigenständig waren, passte er hervorragend in unterschiedlichste Formationen und Stilwelten. Verwurzelt im Rhythm and Blues begleitete er später mit der swingenden Count Basie Big Band Grössen wie Frank Sinatra, und zusammen mit der Hammondorganistin Shirley Scott schrieb er Souljazz-Geschichte. Warum man den Jazzmusiker Eddie Davis kennen sollte – und woher sein Spitzname «Lockjaw» (Kieferklemme) stammt –, erzählt der Zürcher Tenorsaxofonist Christoph Grab im Gespräch mit Roman Hošek. Die gespielten Titel: Interpret:in: Titel (Album / Label): - Eddie «Lockjaw» Davis & Johnny Griffin Quintet: Hey, Lock...
Kristin Berardi – authentisch zwischen Mut und Zerbrechlichkeit
Seit sie vor fünf Jahren eine Dozentur für Jazzgesang in Luzern angetreten hat, prägt Kristin Berardi den Schweizer Jazznachwuchs mit und ist hierzulande eine der gefragtesten Stimmen geworden. Die australische Jazzsängerin fasziniert, mit ihrer Stimme zwischen zarter Nähe und souveräner Kraft. Egal, ob im intimen Duo-Setting oder in komplexen Ensembleproduktionen, Kristin Berardi kann mühelos zwischen Farben und Formen wechseln – ganz im Dienste des Moments und des echten Ausdrucks. Luca Koch aus der SRF-Musikredaktion hat als Sänger*in bei Berardi studiert und dabei technisch und vor allem auch künstlerisch viel gelernt. Das gibt zu red...
Ohne Starallüren: Der österreichische Startrompeter Thomas Gansch
An einen Tag ohne Musik kann sich Thomas Gansch eigentlich gar nicht erinnern: Sein Vater war Kapellmeister im österreichischen Melk, zweimal wöchentlich probte die Blasmusik bei den Ganschs zu Hause: Märsche, Polken, Volksmusik. Zu dieser DNA aus Blasmusik und österreichischer Volksmusik kam der Jazz – hier war das Vienna Art Orchestra, dieses verrückte Klangmonster unter der Leitung des Schweizer Wahl-Wieners Mathias Rüegg, eine wichtige Schule für Gansch. Wie aber wurde aus all diesen Einflüssen das Klanguniversum Gansch? Woher kommt das Gansch-Horn? Und inwiefern ist die Trompete ein Rudeltier? Das österreichische Ausnahmetalent Gansch schon oft aus nächster Nä...
Hamilton de Holanda – Meister des Bandolim, Erneuerer des Choro
Hamilton de Holanda ist nicht nur ein Virtuose am Bandolim (bei uns: Mandoline), sondern dessen wohl kühnster Weiterdenker: Er verpasste dem Instrument kurzerhand zwei zusätzliche Saiten – und eröffnete damit ganz neue Klangwelten. Tief verwurzelt im brasilianischen Choro und inspiriert von Grössen wie Pixinguinha und Jacob do Bandolim, katapultiert er die Tradition mit atemberaubender Virtuosität und Spielfreude ins jazzig gefärbte Heute. Auch Floriano Inácio Jr. ist inspiriert – und spricht darüber in der Jazz Collection mit Annina Salis. Die gespielten Titel (Interpret:in: Titel (Album / Label) - Dois de Ouro: Apanthei-te Cavaquinho (Destroçando a Macaxeira...
Bill Frisell: Wenn der Gitarrenton zur Signatur wird
Der US-Gitarrist Bill Frisell übernimmt eine improvisatorische Haltung aus dem Jazz, verbindet sie mit Americana-Elementen wie Country und entwickelt so einen völlig eigenen Stil, mit dem er ab den 1990er Jahren zu einer internationalen Jazzgrösse wird. Doch schon als er in den 80ern erstmals auf der Szene auftaucht, wollen namhafte Musiker unbedingt mit ihm spielen – allen voran der legendäre Schlagzeuger Paul Motian. Das liegt zum einen an Frisells charakteristischer Spielweise, aber auch an seinem unverwechselbaren Gitarrensound. Viele erkennen ihn bereits nach wenigen Tönen; die Gitarristin Anna Regina Kalk sagt sogar, ihr genüge schon einer. Sie ist bei...
Vom Wunderkind zum Überflieger: Cory Henry
Seit ihn vor gut zehn Jahren der Erfolg quasi überrumpelt hat, ist der Organist und Pianist Cory Henry fast ständig unterwegs. Wohl wurde er gefeiert als Wunderkind in seiner Kirche, weil er schon als 5jähriger die Gemeinde begleitete. Dass es aber auch auf der viel grösseren Bühne so abgehen würde für ihn, spätestens nach seinem Solo über die Nummer «Lingus» für die Band Snarky Puppy, das im Netz viral ging – daran wollte der eigentlich eher schüchterne Cory Henry zunächst nicht so recht glauben. Inzwischen ist der 39jährige aber in den verschiedenst...
Gretchen Parlato: Sie lenkte den Jazzgesang in eine neue Richtung
Als Gretchen Parlato Ende der Nullerjahre mit ihrer charakteristischen, leicht nasalen Stimme auf der Jazzszene erschien, waren die Reaktionen zunächst geteilt. Doch mit ihrer frischen Art, wie sie beispielsweise bekannte Songs von Michael Jackson, Björk oder Simply Red interpretiert, überzeugte sie Kritiker:innen wie Publikum gleichermassen. Und mit ihrem unverwechselbaren Mix aus Jazz, R’n’B und brasilianischen Einflüssen prägte sie eine ganze Generation – besonders viele Gesangsstudierende. Sie hätte damals regelrecht eine «Gretchen-Phase» durchlaufen, erzählt die Sängerin Yumi Ito, die bei Roman Hošek zu Gast ist. Die gespielten Titel: Interpret:in: Titel (Album / Label) ...
Gerry Mulligan, mit Charlotte Lang
Als Teenager beginnt er seine Arrangements zu Geld zu machen, als Twenty-Something ist er ein Jazz-Star: Der Arrangeur, Komponist und Baritonsaxophonist Gerry Mulligan war Mitte des 20.Jahrhunderst eine prägende Jazzfigur. Als er 1996 stirbt, kommt die Saxophonistin Charlotte Lang gerade mal zur Welt. Trotzdem ist für sie, die neben eigenen Bandprojekten auch als Baritonsaxophonistin im Swiss Jazz Orchestra sitzt, die Musik von Mulligan bis heute matchentscheidend. Warum, das erzählt sie in der Jazz Collection mit Jodok Hess. Die gespielten Titel: Interpret:in: Titel (Album / Label) - Gerry Mulligan: Line for Lyons (Gerry Mulligan Paul Desmond Quartet / Verve) - Mil...
Jazz Collection: Roberto Fonseca: der Romantiker aus Kuba
Er sei kein Pianist, sondern Musiker, romantisch und verrückt. So beschreibt sich Roberto Fonseca. Der nebst dem Piano eben auch noch komponiert und Produzent ist. Und verrückt fühlt sich der Kubaner deshalb, weil er Einflüsse miteinander vermische, so divers wie westliche Klassik, die traditionelle kubanische Musik, Jazz, Hip Hop und Soul. Aufgewachsen ist der heute 50jährige mit klassischer Musik, Jazz und Funk. Als junger Erwachsener bekommt er eine Karrierechance, die alles verändert. Fonseca wird Pianist im «Buena Vista Social Club». Tourt mit den kubanischen Legenden und erlebt auch neben der Bühne die Kultur des alten...
Trompeterin Ingrid Jensen wird 60
Für viele Musikerinnen hat sie die Türe aufgestossen. Viele sind es noch nicht, aber immerhin – eine Handvoll vielversprechender Trompeterinnen gibt es aktuell auf der Szene. In den 90er Jahren gab es weitherum nur eine: Ingrid Jensen. Die Kanadierin machte in eigenen Bands auf sich aufmerksam, aber auch in wichtigen Big Bands, vom VAO bis zum Maria Schneider Orchestra. Und vor allem: sie spielte die Trompete mit einer unerhörten Leichtigkeit und setzte sich nur schon dadurch von vielen ihrer Kollegen ab. Von einer so mühelos erfolgreichen Trompeterin zu wissen, sei für sie im Studium enorm wichtig gewesen...