Studio Literatur
Die Literarische Gesellschaft Thüringen fördert seit 1991 die Literatur und Kultur in Weimar und Thüringen. Sie organisiert Festivals und Wettbewerbe, Werkstätten und Lesungen, veröffentlicht Bücher und Magazine. In unserem Podcast stellen wir euch die Literatur und das literarische Leben rund um die LGT vor. Redaktion: Guido Naschert, Stefan Petermann Einzelne Folgen sind an jedem 3. Dienstag im Monat von 22:00–23:00 Uhr auf dem Weimarer Stadtsender www.radiolotte.de zu hören. www.literarische-gesellschaft.de
#71 Don Pablo Mulemba: Hundeheimat: Der Osten, meine Familie und andere Wunder
LiteraturEtage
Debütroman des Journalisten und »Springerstiefel«-Podcasters
Als Kind musste Don Pablo Mulemba, Sohn eines angolanischen Vertragsarbeiters und einer Ostdeutschen, ständig seine Hautfarbe erklären. Obwohl er sich selbstverständlich als deutsch fühlte, wurde er immer wieder zum Fremden gemacht. In den »Springerstiefeljahren« erlebte er rassistische Gewalt bis hin zum Mord an Freunden. Für seine Familie war der Osten der Nachwendezeit kein sicherer Ort mehr. Sie wanderten nach Angola aus – Pablo wollte bleiben. Sein Debütroman erzählt von Identität, Heimat und Zugehörigkeit, von persönlichen Erfahrungen und der Geschichte des wiedervereinigten...
#70 Laura Naumann: Haus aus Wind
LiteraturEtage
»Ein Buch von radikaler Schönheit.« Antje Rávik Strubel
Getrieben von düsteren Gedanken in ihrem Alltag und einem unentwegten Rasen im Körper strandet Johanna in einem Surfcamp an der Algarve. Anstatt nach zwei Wochen Sommerurlaub nach Hause zurückzukehren, ihre Karriere als Synchronsprecherin wieder aufzunehmen und die Beziehung zu Rosa zu retten, bleibt sie an der Atlantikküste. Sie beginnt im Surfcamp zu arbeiten, verliebt sich in zwei Frauen auf einmal und scheint sich mit jedem Tag in den Wellen etwas leichter zu fühlen. Doch mit dem Herbsteinbruch holt sie das wieder ein, was...
#69 Lukas Rietzschel: Sanditz
LiteraturEtage Sanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührenter, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel. Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten – vom Ende der DDR bis in die jüngste Gegenwart, vom Besetzen der örtlichen Stasi-Zentrale bis zum Kampf eines Freiwilligen in der Ukraine, vom Abrackern auf westdeutschen Baustellen bis zum isolierten Inseldasein während der Corona-Epidemie. Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen. Schon sein Debütroman ›Mit der Faust...
#68 Poetryfilmtage 2026 - Eindrücke vom Festival
Studio Literatur Die 11. Ausgabe der Poetryfilmtage fand in diesem Jahr vom 4. bis 6. Juni in Weimar statt und widmete sich der Beziehung von „Poetry Slam“ und „Poetry Film“. Außerdem präsentierte das Festival neue Poesiefilme, die in Weimar entstanden sind, und es gab Lyriklesungen, Spoken Word-Performances, ein studentisches New Talents-Programm sowie eine Diskussion über künstliche Intelligenz und deren künstlerischen Wert für die Filmproduktion geben. Höhepunkt des Festivals war erneut die Verleihung des Weimarer Poetryfilmpreises. Schnitt & Moderation: Elijah Aran
#67 Volha Hapeyeva: Wörterbuch einer Nomadin
Studio Literatur
Volha Hapeyeva legt ein ebenso poetisches wie persönliches und politisches »Wörterbuch« über ihre Nomadenjahre zwischen Belarus, Deutschland, Kreta und Japan vor.
Einzelne, vermeintlich unscheinbare Wörter sind der Ausgangspunkt und öffnen ganze Denk- und Erfahrungswelten. So ist der gedankliche Weg von »sad« (Ziergarten) und »harod« (Nutz- oder Gemüsegarten) zum Garten Eden, zu Stadt- und Staatsgrenzen nicht weit – und schon stehen wir vor den Fragen: Wie frei sind wir wirklich in der globalisierten Welt? Und wie sehr entscheidet der richtige oder falsche Pass über einen Teil unseres Lebens?
Hapeyevas Buch ist ein poetisches...
#66 Alena Jabarine: Der letzte Himmel
Studio Literatur
Bunte Eiskugeln, süße Säfte, lange laue Nächte mit zirpenden Grillen – eingebettet in die Geborgenheit einer großen Familie. Diese Bilder prägen Alena Jabarines Erinnerungen an die Sommer ihrer Kindheit. Weniger als 20 Kilometer trennen das Haus ihrer Großeltern, das sich im heutigen Israel befindet, vom besetzten palästinensischen Gebiet. Als Kind hatte sie nur eine Ahnung davon, dass eine zunächst unsichtbare Grenze dieses Land in zwei Welten teilt – mit großen Unterschieden, was die Rechte, die Lebenserwartungen und auch den Status in den Augen der Welt angeht.
Anfang 2020 zog Jabarine nach Ramallah...
#65 Stefan Petermann: »Diese lange Zeit in der Sonne«
Edition Muschelkalk »Grundsätzlich war es bisher schön gewesen. Ich war glücklich, vielleicht so, wie niemals zuvor. Nähme man alle bereits absolvierten und noch im Verlauf befindlichen Menschenleben zusammen, müsste meins im oberen Viertel angesiedelt sein, ziemlich sicher sogar. Hinter alle fünf Stufen der Bedürfnispyramide konnte ich fette Haken setzen. Dennoch: Etwas fühlte sich schief an.« Nachts schreit ein Mann. Eine Frau bleibt stehen und will einfach nicht weitergehen. Ein Vater disrupiert sein Haus. Eine Mutter wird wütend auf Grönland. Ein Sohn baut das World Trade Center aus Butter nach. Eine Tochter scha...
#64 Martin Beyer: »11 ist eine gerade Zahl«
LiteraturEtage
Paula ist schwer erkrankt. Paula ist Katjas Tochter und mit 14 Jahren viel zu jung für ihr Schicksal. Katja ist Paulas Mutter, alleinerziehend, Lehrerin in ihrem normalen Leben, aber davon ist nicht mehr viel übrig. Paula war einmal unangepasst, ein selbstbewusstes Mädchen, wie ihre Mutter mit eigenem Kopf. Nun aber ist sie verängstigt. Und Katja ist es auch, obgleich sie doch stark sein will für ihre Tochter. Sie droht, an diesem Widerspruch zu zerbrechen – und an den Schuldgefühlen, die sie empfindet. In dieser Ausnahmesituation, kurz vor und nach der Operation, beginnt Katja, Paula eine Geschich...
#63 »Der Tod ist mein Tänzer« – Ein literarischer Abend für Marie-Elisabeth Lüdde - Schriftstellerin, Religionspädagogin
LiteraturEtage
Marie-Elisabeth Lüdde hat mit ihrem vielseitigen Wirken, ihrem geistigen Vermögen und ihrer unerschrockenen solidarischen Empathie sehr viele, gerade junge Menschen erreicht, bewegt, ermutigt, inspiriert, insbesondere in der bewegten Zeit vor, während und nach der friedlichen Revolution. Daneben war sie als Schriftstellerin im Bereich von Literatur und Dichtung und im Grenzbezirk von Theologie, Ethik und Kunst tätig. Aus der Kombination von schmerzlicher persönlicher Erfahrung, Glauben, umfassendem Wissen und gesellschaftlichem Engagement hat sie ihre unnachahmliche Haltung entwickelt, deren Unbestechlichkeit bis heute ihresgleichen sucht. WeggefährtInnen, Kollegen, Freund*innen, Mitstreiterinnen erinnern sich an Marie-Elisabeth Lüdde: mit Tex...
#62 Mithu Sanyal: »Antichristie«
LiteraturEtage
London 2022, die Königin ist tot! An den Trauernden vorbei rennt Durga: internationale Drehbuchautorin, Tochter eines Inders und einer Deutschen, und voller Appetit auf Rebellion und Halluzinationen. Erzählte Mithu Sanyals gefeiertes Debüt »Identitti« von Identitätspolitik, fragt »Antichristie« nach dem Kolonialismus und der Gewalt in uns allen. Durga soll an einer Verfilmung der überbritischen Agatha-Christie-Krimis mitarbeiten. Doch auf einmal ist es 1906, und sie trifft indische Revolutionäre, die keineswegs gewaltfrei wie Gandhi kämpfen. Und dann explodiert die erste Bombe. Was wäre richtiger Widerstand in einer falschen Welt? Niemand schreibt so aberwitzig, klug und liebend wie Mithu Sa...
#61 Planetario poético. Internationales Festival
Ein Rückblick Der Himmel fasziniert alle Menschen. Was ist seine Bedeutung? Wie wird er in verschiedenen Kulturen interpretiert? Was geschieht, wenn wir versuchen, den Himmel auf die Erde herunterzuholen: im Gedicht, mit Musik oder im Teleskop? Das internationale Festival „Planetario poético“ lud im September 2025 renommierte Lyriker/innen, Künstler/innen, Wissenschaftler/innen zum gemeinsamen (poetischen) Denken über das Sternenzelt und die Bedeutung des Himmels ein. An unterschiedlichen Orten Thüringens wurde das Himmelzelt für alle greifbar und ein gemeinsamer Blick nach oben geworfen – begleitet von Poesie und Musik. Zu hören sind: Daniela Danz, Dirk H. Lorenzen, Luisa Reyes R...
#60 „Hier fiel vom Himmel eine Meisterin“ (Else Lasker-Schüler) Neue Frauen zwischen Ascona und Loheland
Literatur im Künstlergarten „Hier fiel vom Himmel eine Meisterin“ (Else Lasker-Schüler) Neue Frauen zwischen Ascona und Loheland. Report, Reflexionen und Gespräch mit Ulrike Müller. Aufzeichnung einer Veranstaltung im Weimarer Künstlergarten vom 9. Juli 2025.
#59 Vom Moor übern Berg bis ans Meer. Worpswede, Monte Verita und Hiddensee – Einblicke in Europäische Künstlerkolonien
Literatur im Künstlergarten
Vom Moor übern Berg bis ans Meer. Worpswede, monte Verita und Hiddensee – Einblicke in Europäische Künstlerkolonien.
Eine Zeitreise mit Ulrike Müller (Schnitt, Moderation) und Katjusha Kozubek (Rezitation)
Lesung im Rahmen der Reihe: "Der Traum von Ausstieg und Neubeginn. Visionäre Orte, Künstlerinnen und Lebensentwürfe der frühen Moderne"
Aufzeichnung einer Open-air-Lesung im Weimarer Künstlergarten vom 2.7.2025
#58 Poetryfilmtage 2025. Ein Rückblick
Studio Literatur Die »Poetryfilmtage« – das Thüringer Kurzfilmfestival für Poesiefilme und Videopoetry – feierten in diesem Jahr den 10. Weimarer Poetryfilmpreis. In unserem Podcast blicken wir zurück und lassen dazu eine Reihe von Filmemacher:innen zu Wort kommen. Moderation: Isa Müller-Grote Technik: Elijah Aran Isa Müller-Grote ist Studentin der Kunstgeschichte und Filmwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Kreatives und wissenschaftliches Schreiben prägen ihr persönliches und akademisches Leben. Erstsendung: Radio Lotte, 15.07.2025, 22:00-23:00 Uhr
#57 Thomas Strässle "Fluchtnovelle"
LiteraturEtage
Erfurt, 1965: Im »Haus der Roten Armee« lernen sich eine Studentin aus der DDR und ein Student aus der Schweiz kennen. Beide sind blutjung – sie 21, er 23. Sie verlieben sich ineinander und wollen ein gemeinsames Leben, doch trennt sie der Eiserne Vorhang. Dass er zu ihr in den Osten gehen könnte, kommt für beide nicht in Frage, und so suchen sie verzweifelt nach einem Weg für sie in den Westen. Als sie einsehen müssen, dass es legal nicht geht, schmieden sie einen genialen Plan und wollen das System von der Seite her angreifen, der es am wenigste...
#56 Katharina Hartwell
LiteraturEtage
Maren und Inga sind dreizehn, als sie über das Tennisspiel Freundinnen werden. Doch ist auch das keine echte Gemeinsamkeit, denn die Mädchen trennt ihre soziale Herkunft. »Große Lieben« verfolgt beider Leben von den 90er-Jahren bis in die Gegenwart – während die eine sich weiter in der Welt des Geldes bewegt, wird die andere Schriftstellerin. Mit Lakonie und viel Witz erzählt Katharina Hartwell davon, was es heißt, als Mädchen aufzuwachsen, über Identitätsfindung, patriarchale Strukturen und die schwierige Balance zwischen Selbstverwirklichung und Mutterschaft.
»Katharina Hartwell erzählt mit herzzerreißender Komik und schonungslosem S...
#55 Kathrin Groß-Striffler
Studio Literatur
Kann man noch guten Gewissens Kinder bekommen?
Ein Arzt hat sich von seiner Frau getrennt, weil diese ein Kind mit ihm haben wollte – seiner Meinung nach unverantwortlich in einer Welt, die durch den weit fortgeschrittenen Klimawandel dem Untergang geweiht ist. Der Protagonist befindet sich in einer quälenden inneren Abhängigkeit von seiner Mutter, die er erst im Laufe der Erzählung überwinden kann, indem er zu dem Kind in sich selbst findet und sich selbst erlaubt, Vater zu werden. Denn Kinder bringen Licht und Hoffnung sowie die Verpflichtung, ihnen den Weg ins Leben zu zeigen...
#54 »Eva träumt nicht mehr«
LiteraturEtage
In Folge #54 unseres Studio Literatur präsentieren neun Thüringer Autorinnen und Autoren Texte, die im Kurs Kreatives Schreiben von Anke Engelmann entstanden und vor Kurzem in der Anthologie »Eva träumt nicht mehr« erschienen sind. Die Auswahl zeigt eindrucksvoll, dass zum kreativen Schreiben mehr gehört als Haiku und Elfchen. Da gibt es einen Drehstuhl namens Svindelik, einen tyrannischen Toilettenmann, zwei Kastanien als Shooting-Stars, einen Saugroboter oder eine mutige Frau im Schwimmbad. Die Geschichten und Gedichte sind kurzweilig und stecken voller Überraschungen.
Erstausstrahlung: 18.03.2025, 22:00 Uhr auf dem Weimarer Stadtsender www.radiolotte.de
#53 Gisela Kraft wiederentdeckt
LiteraturEtage
In Bibliotheken, Antiquariaten und auf Bücherflohmärkten sucht Magda Birkmann nach literarischen Schätzen, vor allem nach Schriften heute unbekannter Autorinnen. Solche möchte sie lesen, entdecken und Ihnen wieder eine Stimme geben. Paula Jänig fand die Lyrikbände Gisela Krafts im Bücherregal der Literarischen Gesellschaft. Einen Abend lang lesen beide Gedichte der Autorin und folgen ihrer bewegten Biografie.
Gisela Kraft (* 28. Juni 1936 in Berlin; † 5. Januar 2010 in Bad Berka) war Schriftstellerin und literarische Übersetzerin aus dem Türkischen. Sie lebte von 1997 bis zu ihrem Tod in Weimar.
Magda Birkmann ist Buchhändlerin in der Berli...
#52 Ines Geipel
LiteraturEtage
Der 9. November 1989. In Berlin fällt die Mauer. Es ist einer der glücklichsten Momente der deutschen Geschichte. Ines Geipel ist bereits im Sommer in den Westen geflüchtet und erlebt den Zeitriss, die Hoffnungen und Aufbrüche als Studentin in Darmstadt. 35 Jahre danach erinnert sie sich: Wie fühlte er sich an, dieser historische Moment des Glücks? Wie erzählen wir uns Ost und West und die Wiedervereinigung? Woher kommt all der Zorn, woher die Verleugnung, wenn es um den aktuellen Zustand des Landes geht? Mit großer Klarheit und Offenheit geht Ines Geipel in ihrem Buch »Fa...
#51 Fabian Saul
LiteraturEtage
Wovon spricht der Grund, auf dem wir gehen? In Fabian Sauls erstem, zutiefst menschlichem Roman geraten Gewissheiten ins Wanken: Ein Freund stirbt, eine Liebe zerbricht. In einer Welt, in der die Steine von der Vergangenheit sprechen, begegnet der Protagonist den eigenen Gefühlen in der Topografie. Alles weiß von der Vergänglichkeit – und weiß alles über ihn. In filmischen Szenen von poetischer Kraft stehen hier geteilte Zigaretten wie Bilder neben dem Sonnenlicht an einem Morgen in Nida, stehen die klaren Kanten von Jean Genets Grabstein neben einem Abbruchhaus in der Linienstraße, steht Nina Simones letztes Konzert neben den Lied...
#50 Josephine Baker, Valeska Geert & Co. Literarische Collage
Literatur im Künstlergarten
„Wir hatten das interessanteste Publikum von ganz Berlin“. Josephine Baker, Valeska Geert & Co.
Eine literarische Collage mit Katjusha Kozubek (Rezitation) und Ulrike Müller (Moderation)
Mitschnitt einer Veranstaltung vom 26. Juni 2024 im Künstlergarten des Haus der Weimarer Republik.
#49 Überlandschreiberinnen
Literatur im Künstlergarten Die Autorinnen Barbara Thériault und Tina Pruschmann beobachten die Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen. Dabei geht es ihnen um den Alltag jenseits der Wahlkampfslogans. Sie machen Langzeitbeobachtungen, um den politischen Umbruch festzuhalten. Moderation: Stefan Petermann Mitschnitt einer Veranstaltung vom 21. August 2024 im Künstlergarten am Haus der Weimarer Republik.
#48 »Das Unerhörte, das will auch ich!« – mit Ulrike Müller und Christian Rosenau
Literatur im Künstlergarten
»Das Unerhörte, das will auch ich!« Zwischen Buch und Bühne, Leinwänden und (Leer)stühlen.
Rezitation: Ulrike Müller
Gitarre:Christian Rosenau (Coburg)
Mitschnitt einer Veranstaltung um 10. Juli 2024 im Künstlergarten am Haus der Weimarer Republik.
Erstausstrahlung: 20. August 2024, 22:00-23:00 Uhr auf dem Weimarer Stadtsender www.radiolotte.de
#47 Wilhelm Bartsch: »Hohe See und niemands Land«
LiteraturEtage
In räumliche Weite und geschichtliche Tiefe führen die Gedichte dieser Sammlung: eine atemberaubende Fülle von Ereignissen, Figuren, Situationen, Konstellationen. Sie laden ein zu einem »Seelenrundgang« – vor allem mit Shakespeare – in einer Umbruchszeit, unternommen von einem Ich, das tumultuarischem Weltgeschehen standzuhalten sucht. Der Band kann auch als ein einziges Welt-Gedicht gelesen werden. Selbst- und Weltbegegnung, Ich und Du durchdringen sich in Bartschs Farewell-Sonetten, einem geistigen Umspannwerk sondergleichen.
Wilhelm Bartsch, 1950 in Eberswalde geboren, studierte nach dem Abitur und der Ausbildung zum Rinderzüchter, in Leipzig Philosophie und später dort am Literaturinstitut. Er arbeitete anschließend in versc...
#47 Maxie Wander: Guten Morgen, Du Schöne!
LiteraturEtage
Maxie Wander gehört zu den aufregenden Autorinnen der DDR-Literatur. Selbst aus Wien kommend, wagte sie in den fünfziger Jahren das Leben in einem Land, das den Sozialismus als neues Gesellschaftsideal aufbaute. An der Seite ihres Mannes, dem Schriftsteller Fred Wander, siedelten sie nach Kleinmachnow über. Maxie Wander gelingt es mit dem Buch »Guten Morgen, Du Schöne«, ein neues Genre der Literatur zu begründen: die Protokollliteratur. Sie führt Interviews mit Frauen aller Gesellschaftsschichten und Altersgruppen, die sie literarisch aufarbeitet. So entsteht in den siebziger Jahren ein großartiges Zeugnis komplexer weiblicher Erfahrungswelten.
Konzeptio...
#46 In 60 Minuten durch die »Odyssee«
Studio Literatur
Homers »Odyssee« ist in den letzten zweieinhalbtausend Jahren zu einer literarischen Groß-Metapher für viele Themen geworden, von der Vatersuche bis zur Kriegsheimkehr, von räuberischer Eifersucht bis zu den Gefahren der Schiffahrt und des Reisens überhaupt. Ein Menschheitsbuch – aber kann man es heute noch lesen? Der Übersetzer Christoph Schmitz-Scholemann verzichtet auf das homerische Versmaß und erlaubt sich gegenüber dem Urtext auch sonst mehr Freiheiten als andere Übersetzungen. Wie schon bei der 2020 erschienenen Übertragung der Briefe des Horaz präsentiert er die Geschichte von Odysseus so, dass man dem Plot leicht folgen kann und immer im Geschehen b...
#45 Emma Braslavsky
LiteraturEtage
Emma Braslavsky neuer Roman »Erdling« ist ein Heimatroman der fantastischen Art. Im Gespräch mit Moderator Stefan Petermann spricht sie über die Entstehung des Romans, die Geschichte literarischer Utopien sowie ihr Verständnis von Literatur.
Emma Braslavsky, 1971 in Erfurt geboren, lebt seit 1999 als freie Autorin und Kuratorin in Berlin. Ihr Debütroman, Aus dem Sinn, wurde 2007 mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis ausgezeichnet. Mit ihrer Erzählung Ich bin dein Mensch lieferte sie die Vorlage für den gleichnamigen Film von Maria Schrader, der 2022 mit vier Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet und als deutscher Kandidat für die Oscars ausgewählt wurde.<...
#44 Was erzählen wir uns von Ostdeutschland?
LiteraturEtage
Mit einer Podiumsdiskussion in der Weimarer LiteraturEtage zum Thema »Was erzählen wir uns von Ostdeutschland?« endete am 30. November 2023 unsere Lesereihe »Was kommt nach Ostdeutschland?«.
Zu hören ist ein Gespräch zwischen:
Christoph Dieckmann, geboren 1956 in Rathenow, ist Journalist (DIE ZEIT) und Autor.
Ines Geipel, geboren 1960, ist Schriftstellerin und Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«.
Manja Präkels, geboren 1974 in Zehdenick/Mark, ist Autorin, Essayistin und Sängerin. Für ihren Roman »Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß« erhielt sie den Anna-Seghers-Preis.
Antonie Rie...
#43 Linn Penelope Rieger und Christoph Wenzel
Lesereihe »Was kommt nach Ostdeutschland?« - Aufzeichnung In ihrem Lyrikband »Abraum, schilfern« erstellt die Lyrikerin Linn Penelope Rieger eine literarische Kartografie der Thüringer Bergbaulandschaft, die in der Wendezeit angesiedelt ist. Christoph Wenzel beschreibt in »landläufiges lexikon« in Gedichten die Gebiete seiner Heimat, dem Ruhrpott. Beide stellen (regional) übergreifende Fragen, um erkunden, wo es in ost/west Überschneidungen bei Erfahrungen der Transformation gegeben hat, wobei Unterschiede. Das Gespräch darüber ist verbunden mit lyrischen Streifzügen durch diese gleichen verschiedenen Landstriche. Linn Penelope Rieger, geb. 1992 in Ilmenau, studierte Philosophie an der Universität Leipzig und Literarisches Schreiben am Deutschen Lite...
#42 Juliane Stückrad
LiteraturEtage
Aufzeichnung einer Veranstaltung vom 16.11.23 in der Weimarer LiteraturEtage moderiert von Stefan Petermann.
Seit zwanzig Jahren erforscht die Ethnologin Juliane Stückrad Gemeinschaften in der ostdeutschen Provinz. Sie begleitet Menschen, die oft von Wut und Unmut beherrscht werden. Und die oft nie den Mut verlieren. Darüber hat sie ein bahnbrechendes Buch geschrieben, das ungehörte und überhörte Geschichten erzählt. Geschichten, die Zugang zur Vielfalt ostdeutscher Lebenswelten bieten und Heimat als Veränderung, Erinnerung und Selbstbehauptung beschreiben.
Juliane Stückrad studierte in Leipzig Ethnologie und Kunstgeschichte. 2010 promovierte sie mit einer Arbeit über die Kultur de...
#41 Tobias Knoblich & Mathias Kubitza: »Bilder des Ostens«
LiteraturEtage Bilder sagen mehr als tausende Worte? Nicht immer: Die Fotos von Mathias Kubitza animierten Tobias Knoblich zum Schreiben. Es beginnt mit Bildern vom Osten. Mathias Kubitza hält fest, was er durch seine Linse sieht. Die sparsamen Motive in schwarz-weiß bilden die Leerstellen und Zwischenräume abseits der durchsanierten Altstädte ab. Bei Tobias Knoblich legen die Bilder längst vergessen Geglaubtes frei. Sie geben seine verblassten Erinnerungen wieder, setzen sie in neues Licht. Sie provozieren ihn. In kurzer Zeit bringt der Kulturpolitiker, inspiriert von den Fotos des TV-Journalisten, vierzig Essays zu Papier. Analytisch wie gefühlvoll, humorvoll bis provok...
#40 Lyrik - Prosa - Utopie. 89/90 als Bezugspunkte für eine post-ostdeutsche Zukunft
LiteraturEtage
Ein Mitschnitt der Eröffnungsveranstaltung der Lesereihe »Was kommt nach Ostdeutschland?« aus der Weimarer LiteraturEtage vom 11.10.23
Judith Rinklebe / Seline Seidler
Vernissage: Lyrik - Prosa - Utopie: 89/90 als Bezugspunkt für eine post-ostdeutsche Zukunft
2021 veröffentlichten Judith Rinklebe und Seline Seidler das Zine »POSSI - Magazin für (post-)ostdeutsches Empowerment«. Die im Rahmen der Lesereihe entstehende Ausstellung ist ein Überprüfen und Weiterdenken der darin begonnen Auseinandersetzung mit den revolutionären Potenzialen der sogenannten Wendezeit und wird so zu einem neuen, begehbaren Wandzine.
Judith Rinklebe (*1996, aufgewachsen in Ost-Berlin) ist Kulturwissenschaftlerin mit Forschu...
#39 Frauen, Feuilletons & Schnappschüsse der 1920er und 1930er Jahre
Literatur im Künstlergarten Von Gabriele Tergit, Lotte Eisner, Helen Grund über Janet Flanner zu Djuna Barnes Literarische Collage mit Heike Meyer, Schauspielerin und Ulrike Müller, Autorin Mitschnitt einer Veranstaltung vom Mittwoch, den 28. Juni 2023, im Künstlergarten des Haus der Weimarer Republik. Erstsendung: Radio Lotte, 19.09.2023, 22:00-23:00 Uhr
#38 »Alle meine Artikel sind Liebesbriefe«. Die tschechische Journalistin Milena Jesenská (1896-1944)
Literatur im Künstlergarten
»Alle meine Artikel sind Liebesbriefe«. Die tschechische Journalistin Milena Jesenská (1896-1944)
Vortrag und Gespräch mit der Schriftstellerin Alena Wagnerová (Prag/Saarbrücken) moderiert von Dr. Ulrike Müller
Mitschnitt einer Kooperationsveranstaltung der LGT mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Weimarer Republik e.V. vom 12. Juli 2023.
#37 Annette Seemann: »Viva la Vida! Frida Kahlo«
Studio Literatur
Die mexikanische Malerin Frida Kahlo, die vor allem mit ihren Selbstporträts ein Feuerwerk an Emotionen und Farben zündete, fasziniert bis heute ein Millionenpublikum. Sie malte den täglichen Kampf im Umgang mit ihrer schweren Krankheit und ihrem zerrissenen Sein. Trotz des vielen Leids kämpfte sie tapfer und unermüdlich, denn sie liebte das Leben – und die Liebe. Annette Seemann zeichnet das Bild einer starken Frau und Künstlerin und verarbeitet in ihrer Biografie erstmals die nach Öffnung der privaten Archive heute verfügbaren wissenschaftlichen Kenntnisse zu Frida Kahlos Leben und Werk, darunter auch ein psychologi...
#36 Poetryfilmtage 2023 - Rückblick
Die »Poetryfilmtage« – das Thüringer Kurzfilmfestival für Poesiefilme und Videopoetry – standen in diesem Jahr unter dem Motto »Poesie ist Tanz« und erkundeten die Verbindung von Tanz, Film und Gedicht. In unserem Podcast blicken wir zurück und lassen dazu eine Reihe von Filmemacher:innen zu Wort kommen. Es sprechen: 4.55 Anna Eijsbouts, Moderatorin, "Poesie ist Tanz" 6.12 Boris Seewald, Filmemacher im Programm "Poesie ist Tanz" 12.43 Pierre Guiho, Gewinner des 8. Weimarer Poetryfilmpreises (Bestes Video) 17.10 Dawn Westlake, Filmemacherin, "Wettbewerb" 21.35 Zeynep Sila Demircioğlu, Filmemacherin, "Wettbewerb" 27.10 Helmie Stil, Filmemacherin, "Wettbewerb" 32.16 Gabriele Nugara, Filmemacher, "Weltspiegel der Poesie" 35.25 Kevin Schulzbusch, FIlmemacher, "Deutschsprachige Poesiefilme" 38.44 Anya Ryzhkova, Filmemacherin, "Bauhaus Poet
#35 Mona Krassu
LiteraturEtage Solveig Eckstein hat viele Träume. Zum Beispiel diesen, eine herausragende Schauspielerin zu werden. Sie ist ein hübsches und intelligentes Mädchen. Sie liebt Gedichte, liest, wenn andere Kinder spielen. Sie hat also alle Voraussetzungen, ihren Traum zu leben. Aber, sie wächst in der DDR auf. Was passiert in einer Diktatur mit Kindern, die schon als Schüler nicht ins sozialistische System passen, weil sie Parolen hinterfragen und weil sie widersprechen? Weil sie die Songs von Udo Lindenberg toll finden? Weil sie frei leben wollen? Die Genossen und Funktionäre in der DDR haben Ihre Methoden. Sie nutzen...
#34 Hanns Cibulka
LiteraturEtage
Hanns Cibulka war ein Schriftsteller, dem das Tagebuch zur gewichtigsten Schreibgattung wurde. Er experimentierte mit dieser Form, und das bis hin zum Einbau fiktiver Personen und Geschehnisse. Aber das alles waren keine Regelverletzungen. Das Tagebuch ist eine gemischte, unreine Gattung, die sehr viele disparate Dinge zu integrieren erlaubt. Und genau das macht sie so interessant. Cibulkas sizilianische Kriegstagebuch beruht auf stenographisch festgehaltenen authentischen Erlebnissen, allerdings erst vierzig Jahre später ausformuliert und durch Kommentare und Reflexionen behutsam ergänzt. Es umfasst den Zeitraum vom 14. Mai bis zum 1. August 1943. Die Aufzeichnungen beginnen sieben Wochen vor Landung der Alliierten am 10. Ju...
#33 Juliane Karwath
LiteraturEtage Christoph Schmitz-Scholemann im Gespräch mit Martin A. Völker über Leben und Werk der Weimarer Schriftstellerin Juliane Karwath Ein Werwolf hetzt den jungen Müller Crispin durch Wälder und Gebirge. Auf seiner magischen Reise kreuzen weitere wilde Naturwesen und der sagenhafte Martin Pumphut Crispins Weg. Lebensgefährliche Situationen wechseln sich ab. Nichts ist so, wie es zu sein scheint. Aber im Scheinhaften lockert sich die fest gefügte Realität. Alles wird möglich, und im Eros findet der Mensch, dieser größte Dämon von allen, zur guten Natur zurück. Die heute vergessene Schristellerin Juliane Karwath verse...