es regnet
Ich lese Texte vor. Meist aus meinem Blog. Ab und spiele ich etwas dazu. Anleitung: dieser Podcast ist ein literarisches Weberzeugnis. Oder wie jemand mal gesagt hat: “Das ist ein semi-literarisches Tagebuch.” Kann ich auch mit leben. Weniger mag ich Leute, die sagen: “Mensch, kannst du nicht mal ein bisschen witzig sein?”. Doch das sagt ja niemand. Und sonstso mache ich derzeit mehr Langprosa. Ab und zu lese ich meine Sachen dem Publikum vor. Hin und wieder werde ich für einen Literaturpreis nominiert. Ich gewinne aber nie etwas. Und sonst so: Ich arbeite in einer Internetfirma. Dort leite ich ein gutes...
[Di, 24.3.2026 – Höhö-Gelaber, Weisskrautpesto, Nationalbibliothek]
Das Bedürfnis, mich von Männern distanzieren zu wollen. In der Bahn, im Supermarkt, auf der Straße. Ich meine: Ulmen saß zehn Jahre lang neben seiner Frau auf dem Sofa, während er mitbekam, wie sie sich von vermeintlich fremden Männern da draußen im Netz terrorisiert fühlte, und er davon sprach, ein Feminist zu sein. Er entschuldigte sich offenbar mit der Begründung, dass er da so einen Fetisch habe. Aber das ist halt kein "Fetisch".
Ich kenne dieses empathielose Höhö-Gelaber über Sex, wenn Männer unter sich sind. Es passiert nich...
[So, 22.3.2026 – Montana, Haus, Bekwäm]
Wir schauten heute die ersten beiden Folgen von "The Madison", der neuen Serie von Taylor Sheridan, der mit seiner Darstellung Amerikas häufig den Eindruck erweckt, etwas berauscht von der konservativen Idee des Landes zu sein, wobei er bekräftigt, von keinem politischen Lager eingenommen werden zu wollen. Ich glaube, er verabscheut nur Menschen aus der Stadt. Er weiß es, wirklich große Geschichten zu erzählen, die zudem mit fantastischen Frauenfiguren in Hauptrollen besetzt sind.
Montana. Wieder einmal Montana. Michelle Pfeiffer. Diese Frau wird in zwei Jahren siebzig. Und sie wird mit jedem Jahr schöner. (Ja, kl...
[Fr, 20.3.2026 – Moabit, Nachtgleiche, Männer]
Moabit ist ein wirklich sehr schöner Stadtteil. Und wesentlich sauberer als Friedrichshain. Dabei sieht man, dass Moabit arm ist. Aber anders arm als Neukölln. Jemand sagte einmal, Neukölln sei aufregend arm, Moabit hingegen spießig arm. Das Bild ist etwas pietätlos, aber ich verstand schon den Gedanken dahinter.
Ein ehemaliger Mitarbeiter von mir ist in Moabit geboren und aufgewachsen. Die ersten vierzig Jahre seines Lebens wohnte er in der gleichen Straße. Zuerst mit der Mutter in der Nummer sieben. Mit achtzehn Jahren zog er mit seiner schwangeren Frau in die 26. Dort lebten sie me...
[Do, 19.3.2026 – Fahrscheine, Moabit, Sehschärfe]
Als ich jung war, fuhr ich gerne schwarz. Als ich älter wurde, kaufte ich mir gelegentlich ein Ticket. Je älter ich wurde, desto öfter kaufte ich mir ein Ticket. Irgendwann hörte ich jemanden sagen, dass es vernünftiger sei, entweder immer schwarz zu fahren, oder immer ein Ticket zu kaufen. Wenn man beides ein bisschen tut, dann gibt man viel Geld für Tickets aus und wird trotzdem ab und zu erwischt. Das leuchtete mir ein. Weil ich mittlerweile etwas älter geworden war, fuhr ich also nicht mehr schwarz.
In Berlin kostet ein Fahrschein jetzt 4€. Vor noch weni...
[Di, 17.3.2026 – Notizen]
Abends bin ich gerade etwas müde. In den ersten Tagen an einer neuen Arbeitsstelle saugt man sich immer mit riesigen Mengen an Informationen voll. Mit so viel Input, müsste ich jetzt eigentlich ungemeine Mengen an Output haben. Stattdessen: brummender Kopf (natürlich! Wenig Platz!) und Müdigkeit (physiologisch nicht ganz erklärbar).
Dafür habe ich noch einige Notizen der letzten Monate, die ich noch nicht verarbeitet habe. Da steht zB:
"Crowded house - tigether alone" – Typos lasse ich mal absichtlich stehen. Das war ein Song, den ich einmal in einer Instastory hörte, wo e...
[So, 15.3.2026 – Dinkelflakes, Arbeitshosen, Arbeitsweg]
Diese fantastischen Dinkelflakes bei Edeka entdeckt. Sie schmecken wie Karton. Das mag ich. Der Erfinder der Cornflakes, ein gewisser JH Kellog, bewarb seine Flakes damit, dass sie den Appetit auf Alkohol und Geschlechtsverkehr lindern würden. Seine Idee war, dass sie dermaßen geschmacklos zu sein hatten, damit der Geist es verlerne, nach Gelüsten zu zehren. Ganz nachvollziehen kann ich das nicht. Ich könnte ewig auf diesen kartonigen Flocken herumkauen. Sie schmecken so schön nach nichts, dass mir ganz wohlig wird.
Und sonst baue ich gerade an den Oberschränken weiter. Jetzt im Schlafzimmer meiner...
[Frau Reiner]
Die neue Hündin meiner Hundesitterin heißt Frau Reiner. Fanden wir natürlich einen komischen, aber durchaus witzigen Namen. Mit diesem Namen wurde die Hündin ihr vom Tierschutz vorgestellt. Frau Reiner kommt aus Spanien und man weiß nicht viel über sie, man weiß lediglich, dass sie schon seit etwa einem Jahr in einem zentralspanischen Städtchen als Straßenhund lebte. Die Spanier, die sie von der Straße holten, gaben ihr den ungewöhnlichen Namen "Reiner" und verrieten den deutschen Tierschützern auch den inoffiziellen Beinamen, den sie der Hündin gegeben hatten, nämlich "die stille Königin".
...[Fr, 13.3.2026 – Termine, Hundethema, Fediverse]
Brewdog nimmt jetzt wohl doch den Betrieb wieder auf. Alle Standorte sind gerettet, außer meine Bar in Friedrichshain. Aber immerhin wird das Hazy Jane jetzt weitergebraut.
Den ganzen Tag lief ich Terminen hinterher. Morgens zu Fittix, wo ich Bekanntschaft mit einem neuen Muskel in meinem Körper gemacht habe, von dem ich ahne, dass ich ihn das ganze Wochenende lang spüren werde. Danach holte ich meinen ersten deutschen Personalausweis und meinen ersten deutschen Reisepass ab. Jetzt kann ich mich sogar als deutscher Staatsbürger ausweisen. Danach fuhr ich nach Wilmersdorf, um einen speziellen Sicherheitsschlüssel für d...
[Do, 12.3.2026 – Facebooklöscher, Oberschränke, Maklerinnen]
Schon länger nervt es mich, dass ich so viel Text auf Facebook stehen habe. Zusätzlich zu den 16 Jahren, in denen ich bereits mehr oder weniger (eher weniger) auf Facebook poste, begann ich im Herbst vor dem Release der Novelle, jeden Tag die Blogeinträge auf Facebook zu posten. Einfach so, Fulltext. Immer reinkopiert. Alles. Es war mir nie so wichtig, dass sich Menschen direkt in mein Blog reinklicken, mir reicht es völlig aus, wenn es gelesen wird. Wo diese Texte gelesen werden, im Feedreader, als E-Mail oder über Aggregatoren, ist mir ziemlich egal. Aber es nerven mich...
[Di, 10.3.2026 – Emotionen Auto, Pluribus, Goldfisch]
Als ich das letzte Mal mit Lu telefonierte, saß ich im Auto und fuhr von Hamburg nach Berlin. Das war vor vier Wochen und wir redeten über das Altern, ein Thema, das mich in jenen Wochen sehr beschäftigte, und immer, wenn ich sprach, lenkte ich das Auto ziemlich fahrig und musste deswegen ständig meine Geschwindigkeit auf 90 oder 80 herunterdrosseln, damit ich mich einigermaßen sicher fühlte. Offenbar übertragen sich meine Emotionen sehr stark auf meinen Körper. Zuhören ging prima, aber sobald ich reden musste, schlingerte ich.
Das muss an der Freisprechanlage gelegen haben. Ich weiß...