es regnet
Ich lese Texte vor. Meist aus meinem Blog. Ab und spiele ich etwas dazu. Anleitung: dieser Podcast ist ein literarisches Weberzeugnis. Oder wie jemand mal gesagt hat: “Das ist ein semi-literarisches Tagebuch.” Kann ich auch mit leben. Weniger mag ich Leute, die sagen: “Mensch, kannst du nicht mal ein bisschen witzig sein?”. Doch das sagt ja niemand. Und sonstso mache ich derzeit mehr Langprosa. Ab und zu lese ich meine Sachen dem Publikum vor. Hin und wieder werde ich für einen Literaturpreis nominiert. Ich gewinne aber nie etwas. Und sonst so: Ich arbeite in einer Internetfirma. Dort leite ich ein gutes...
[Mi, 22.4.2026 – Maschinen mit Wumms, Sperrfroh]
Weil ich einer Freundin neulich mit ihren technischen Problemen half, schenkte sie mir überraschenderweise einen hundert Euro Gutschein für Toom, weil sie weiß, dass ich mittlerweile mehr Zeit bei Toom verbringe, als beim Barbier. Heute bestellte ich mir deswegen einen benzinbetriebenen Rasenmäher, für den ich sonst immer zu geizig gewesen war. Eigentlich wollte ich mir einen einfachen Akku-Rasenmäher kaufen, wenn man aber zu tief in die wundersame Welt der Rasenmäherei hineinschaut, dann findet man nicht mehr so leicht heraus. Jetzt kaufte ich einen Benziner für 400 Euro. Was vor allem daran liegt, dass ich die Masc...
[Mo, 20.4.2026 – Neni, wir sind in Hitze]
Mit Alexander im Neni am Zoo gewesen. Wir stellten fest, dass wir uns fast 20 Jahre nicht mehr gesehen hatten und trotz Internet doch immer irgendwie in Kontakt geblieben sind. Wir kannten uns damals aus Hamburg. Kaffee.Satz.Lesen, Weblogs. Sein Weblog gibt es nicht mehr. Es hieß Barmblog. Als er von Barmbek nach Köln zog, stimmte der Name nicht mehr. Wir erzählten einander aus unseren Lebens und redeten natürlich über Software, Literatur und über Utrecht. Dabei aßen wir israelische Meze und neben uns tauchte die Sonne hinterm Zoo den Himmel in Farben. Es war schön.
<...[Sa, 18.4.2026 – amorphe Masse, starren im Park, Brechbohnen im Pesto]
Ich würde ja auch gerne Trenchcoats tragen, aber ich bin körperlich nicht für Mäntel gemacht. Innerlich fühle ich mich wie ein Trenchcoat-Typ. Ein bisschen elegant, ein bisschen geheimnisvoll. Äußerlich bin ich aber eher der Typ bulliger Kraftmensch aus dem Zirkus. Ohne die Kraft, allerdings. In Mänteln sehe ich aus, als wäre ich eingepackt, wie ein Geschenk.
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Ich verfalle regelmäßig irgendwelchen Instagram-Kochtrends. Einige davon sind wirklich gut. Die meisten sind jedoch mittelmäßig. Ich probiere trotzdem alles, kein Experiment soll an mir ungetestet vorübergehen. Gestern griff ich allerdings...
[Do, 16.4.2026 – am Ende der Linienstraße]
Ich traf Frau Modeste im Trio an der Linienstraße. Es gibt am Ende der Linienstraße nicht mehr viel. Der Trubel des Rosa-Luxemburg-Platzes ist längst abgeebbt, die Straße mündet hier als Sackgasse in die große Karl-Liebknecht-Straße und geht in Wind und Verkehr auf, dahinter beginnt die osteuropäische Steppe. Aber dort in dem letzten Haus, dort gibt es gleich drei Lokale, eng beieinander, Tür an Tür, als würden sie sich Widrigkeiten widersetzen.
Ich war um 5 Minuten verspätet. Als ich ankam, war Frau Modeste aber auch noch nicht da, also set...
[bei leerem Telefon]
Im Castle Pub am Nordbahnhof verabredet gewesen. Ich war eine halbe Stunde zu früh und die Batterie meines Telefons war fast leer, deswegen bat ich die Frau hinterm Tresen, ob sie mein Telefon an den Strom hängen könne. Das konnte sie. Nun setzte ich mich also an einen Tisch am Fenster und – nunja, hatte nichts, in das ich hineinschauen konnte. Kein Telefon, kein Buch, keine Zeitung. Lagen früher nicht immer überall Magazine und Zeitungen herum? Auf meinem Tisch lag ein Prospekt über Gin Tonic aus. Immerhin etwas, dachte ich. Aber die drei Absätze mit je drei Z...
[Mo, 13.4.2026 – Bewerbungen]
Neulich, als ich in Hamburg mehrere Stellen offen hatte, kamen 94% der Mails von Bewerberinnen über Gmail. Die restlichen 6% verteilten sich auf Applemail, outlook.com und eigene Domains. Einmal war sogar Hotmail dabei. Musste gleich die Domain im Browser aufrufen. Wäre ich ein Film gewesen, wäre ich zu einer Rückblende verschmolzen, zum Sound von "Bittersweet Symphony". Im Browser kam es aber nur zu einer Weiterleitung auf outlook.com. Im Film wäre der Soundtrack jetzt mit einem Plattennadelscratch unterbrochen worden.
Bei offenen Stellen in Deutschland gibt es etwas mehr Variabilität. Es kommen posteo.de, mailbo...
[So, 12.4.2026 – Holy Oly, Tapeten, Feature Creature, schwangere Haie]
Meine Herthajacke ist mir zu groß geworden. Es muss lange her sein, dass ich sie zum letzten Mal trug. Es ist eine leichte Sportjacke, sie ist besonders für den späten September und den Oktober ausgelegt oder für den späten April sowie den Mai. Da ich letzten Herbst kaum im Stadion gewesen bin und den Winter in Hamburg verbrachte, trug ich sie zum letzten Mal wohl im Frühling. Da wog ich fast 15 Kilo mehr als heute. An der Jacke mochte ich immer, dass sie eng anliegt und meinem Bauch eine gute Form gibt. Mit meinem neuen...
[Fr, 10.4.2026 – lauwarm, oly]
Gestern mit Benny wieder im Zosch gewesen. Wir tranken Bier und ich aß einen lauwarmen Kartoffelsalat. Es kam mir gestern ungemein seltsam vor, ein Gericht zu bestellen, das explizit als lauwarm angeboten wird. Lauwarmes. Ein erstaunlich negativ besetztes Adjektiv für einen ziemlich angenehmen Zustand. Dafür vergeben Menschen einen von fünf Sternen und schreiben darunter, das Personal sei schlecht gewesen und das Essen nur lauwarm. Aber das Personal im Zosch ist immer gut. Eigentlich besuche ich keine Lokale mehr, die nur Industriebier einschenken, aber das sage ich in Wirklichkeit nur so dahin. Daher würde ich ihnen einen...
[Mi, 8.4.2026 – Vloggen, Popcornhafer, Submission, Karzinogene]
Neulich wies mich Lu auf Sophie Passmans Vlog auf YouTube hin. Wir hatten uns zuvor über Blogformate unterhalten, vor allem über die subjektive Form des Tagebuchbloggens, und wir redeten darüber, mal ein anderes Medium zu probieren. Videos böten sich beispielweise an, aber Videos sind sehr aufwendig zu produzieren und setzen gewisses handwerkliches Geschick voraus. Dazu empfinde ich mich auch nicht als sonderlich screentauglich. Ich fühlte mich an der Tastatur immer sehr wohl, und ich finde es auch nicht schlimm, eine Nische zu bedienen, ich meine: TEXTE. Ich glaube, Texte waren immer schon eher nischig, aber seitdem Video...
[Mo, 6.4.2026 – Übers WE, Nashorn]
Am Samstag waren die beiden Teenager den ganzen Tag alleine unterwegs. Es beunruhigte mich nicht, ich glaube, die hatten die beste Zeit des Wochenendes zusammen. Entsprechend spät kamen sie auch nach Hause. Gestern begleitete ich sie zum Mauerpark, danach holte ich meine Frau vom Flughafen ab. Und heute gab ich ihnen Frühstückstipps. So verliefen meine beiden letzten Tage.
Da mir mein Arbeitszimmer nicht zur Verfügung steht, habe ich nur den Laptop, und ich merke, dass es mir wenig Freude bereitet, direkt an einem Laptop zu arbeiten bzw. daran zu sitzen. Ich mag meinen Schr...